
Kreide, Lehm, Kanal
Boden & Klima
Die weißen Klippen von Dover bestehen aus Kreide, und dasselbe Gestein trägt die Hügel der North Downs in Kent. Am Rand dieser Hügel liegt bei Chilham Domaine Evremond. Im Jahr 2023 kam dort ein zehn Hektar großes, kalkiges Stück am Hogbens Hill dazu, nach Süden geneigt. Kreide lässt Regenwasser schnell abfließen und gibt den Reben wenig Nährstoffe, das bremst ihr Wachstum und hält die Trauben klein und aromatisch.
Weiter westlich, bei Aylesford, liegt Kit's Coty, ein Weinberg von Chapel Down, der nur mit Chardonnay und Pinot Noir bepflanzt ist. Nach Angaben des Unternehmens stehen die Reben dort auf der Kreide der North Downs. In Tenterden im Süden von Kent sieht der Boden anders aus: Neun Hektar wachsen an Südhängen auf lehmigem Boden über Sand. So zeigt schon eine einzige Grafschaft zwei Gesichter, Kalk im Norden und Lehm im Süden.
In Hampshire beginnt die Kreide der South Downs. Das Weingut Hambledon beschreibt sie als dieselbe Kreide, die auch in der Côte des Blancs im Boden liegt. Hattingley Valley bewirtschaftet bei Lower Wield 24 Hektar auf zwei Standorten, Pommery bei Alresford das Gelände Pinglestone. Wer Rebstöcke auf diesem hellen Boden sieht, versteht sofort, warum Champagnerhäuser gerade hier suchten.
Dazu kommt das Klima. Der Ärmelkanal mildert den Winter, und der Südosten gehört zu den sonnigeren Ecken Englands. Die Reben reifen langsam, und die Säure bleibt hoch. Genau diese Säure trägt später das lange Lager auf der Hefe. Die Gefahr liegt im Frühjahr: Ein später Frost nach dem Austrieb kann die Ernte eines ganzen Jahres kosten.
Kreidekeller wie in Reims gibt es in Kent nicht. Die Flaschen lagern in neu gebauten Kellereien, Domaine Evremond eröffnete die seine erst 2024. Die Kreide wirkt hier also vor allem im Weinberg, nicht im Keller, und genau das macht den Vergleich mit der Champagne reizvoll.