
Aperitivo und Radicchio
Essen & Anlass
Zu Prosecco gehört in Venetien der Aperitivo. Der Spritz, Prosecco mit Aperol und einem Schuss Sprudelwasser, ist das Getränk der Terrassen von Padua bis Venedig. Aperol entstand 1919 in Padua bei den Brüdern Barbieri, heute gehört die Marke zum Campari-Konzern. Der Legende nach brachten schon österreichische Soldaten im 19. Jahrhundert Wasser in den Wein, daher soll das Wort „spritzen“ kommen. Belegt ist das nicht.
Zu Treviso gehört der Radicchio Rosso di Treviso, die rote, bittere Zichorie, die als geschützte geografische Angabe gilt. Im Risotto al radicchio gleichen sich die Bitterkeit des Gemüses und der Zug des Schaumweins aus. Die Frische des Prosecco macht den cremigen Reis nicht schwerer, sondern hebt ihn an.
Baccalà mantecato, cremig aufgeschlagener Kabeljau, kommt in Venetien als Antipasto auf Polentascheiben, und die Perlen des Weins lösen das Fett auf. Sarde in saor, gebratene Sardinen, in Essig mit Zwiebeln, Rosinen und Pinienkernen eingelegt, treffen mit ihrer süßsauren Note auf die Frucht und die Säure des Weins.
Im Frühling kommt weißer Spargel hinzu, der Asparago bianco di Bassano mit geschützter Herkunft aus Bassano del Grappa. Ei, Spargel und ein Schluck Schaumwein sind eine alte Verbindung dieser Küche.
Treviso beansprucht außerdem das Tiramisù, das in den 1960er-Jahren im Restaurant Le Beccherie entstanden sein soll. Der Friaul erhebt denselben Anspruch. Zum Dessert passt dann eher ein süßerer Spumante, etwa ein Demi-Sec.
Asolo, die „Stadt der hundert Horizonte“, in der Caterina Cornaro, die Königin von Zypern, 1489 ihren Hof hielt, ist ein Ort für einen ruhigen Aperitivo am späten Nachmittag. Dort nimmt man sich Zeit: ein Glas, ein paar Cicchetti, der Blick auf die Hügel.