
Kirschen, Käse, Hahndorf
Wein & Essen
Die Adelaide Hills nennt man in Südaustralien auch die Speisekammer vor der Stadt. Das kommt nicht von den Weinbergen, sondern von den Obstplantagen dazwischen. Zwischen Mitte November und Mitte Januar reifen hier so viele Kirschen, dass halb Adelaide zum Selberpflücken herauskommt, und im Herbst folgen Äpfel direkt vom Baum.
Dazu kommt ein Erbe aus Preußen. In Hahndorf backen Bäckereien bis heute deutsches Brot und Kuchen nach alten Rezepten. In den Kühlräumen der Käserei Udder Delights reifen dazu Frischkäse und Schnittkäse aus Milch der umliegenden Weiden. Ein Teller mit Bratwurst, Sauerkraut und einem kräftigen Laib von dort ist die ehrlichste Küche der Region.
Zu dieser deftigen Küche passt kein zarter Sauvignon Blanc mehr. Besser eignet sich ein Spätburgunder aus Lenswood: Seine helle Frucht und der milde Gerbstoff tragen Fett und Säure vom Sauerkraut mit, ohne dagegen anzukämpfen. Ein junger, unkomplizierter Wein reicht dafür völlig, denn die Wurst soll im Vordergrund bleiben.
Frischer Ziegenkäse und ein Salat mit rohem Spargel, wie er im Frühling überall in den Adelaide Hills wächst, verlangen dagegen genau die grüne, säurebetonte Seite des Sauvignon Blanc. Die Kräuternote im Wein und im Gemüse laufen parallel. Die Säure schneidet durch die Cremigkeit des Käses.
Den Abschluss verdienen die Kirschen selbst, am besten pur mit einem Stück gereiftem Käse und einem Glas Sekt aus dem Piccadilly Valley. Die feine Kohlensäure hebt die Süße der Frucht an, statt sie zu erschlagen. Die Brioche-Note aus der Flaschengärung passt erstaunlich gut zu gereiftem Käse.