
Pinot & Chardonnay
Rebsorten
Chardonnay und Spätburgunder tragen im Yarra Valley heute fast die gesamte Ernte. Spätburgunder, der hier wie überall in Australien meist Pinot Noir heißt, macht rund 43 Prozent des geernteten Gewichts aus. Chardonnay kommt auf weitere 33 Prozent – zusammen fast drei Viertel aller Trauben, die im Tal wachsen. Keine andere australische Region setzt derart einseitig auf die beiden burgundischen Klassiker.
Kühle Nächte entscheiden darüber, ob Spätburgunder seine Säure behält oder verliert. Genau die liefert die Höhenlage zwischen Lilydale und Warburton. Die Sorte ist dünnhäutig und launisch, empfindlich gegenüber jeder Wärmespitze. Genau diese Empfindlichkeit macht sie hier zum Publikumsliebling. Im Glas zeigt der Yarra-Spätburgunder rote Kirsche, Walderdbeere und oft eine würzige Note. Verglichen mit wärmeren australischen Regionen wirkt er heller in der Farbe und schlanker am Gaumen.
Der Chardonnay der Region hat einen Stilwandel hinter sich. In den Achtzigern und Neunzigern war er oft fett und stark nach Eiche schmeckend, mit viel Butteraroma aus einem zweiten, mildernden Gärschritt im Keller. Seit den Zweitausendern setzen die meisten Betriebe auf frühere Lese, weniger neues Holz und mehr Fokus auf die Frucht selbst: Zitrone, weißer Pfirsich, manchmal eine feuersteinige Schärfe.
Paul de Castella brachte in den 1850er-Jahren als Erstes Cabernet-Sauvignon-Reben aus Bordeaux mit, lange bevor hier jemand an Spätburgunder dachte. Ein Jahrhundert später baute John Middleton bei Mount Mary genau darauf seinen Ruf auf: Quintet, ein Verschnitt aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Malbec und Petit Verdot nach Bordeaux-Vorbild. Daneben wächst kühl-klimatischer Shiraz, würziger und pfeffriger als seine Verwandten aus dem heißen Barossa Valley. Auf den kühlsten Lagen wächst sogar Sauvignon Blanc.