
Congrio trifft Sauvignon
Wein & Essen
Die Küche, die zu Casablanca gehört, kommt aus dem Meer. Nicht aus dem Tal selbst, sondern von der Küste, die ihm jeden Morgen den Nebel schickt. An derselben Küste bei Valparaíso liegen die Fischmärkte, aus denen die Restaurants des Tals ihre Ware holen, oft noch bevor sich der Vormittagsnebel verzogen hat.
Kein Fisch steht dort so im Mittelpunkt wie der Congrio. Ein Meeresaal mit festem, weißem Fleisch. Pablo Neruda widmete ihm 1954 eine ganze Ode, die Oda al Caldillo de Congrio, nachdem er das Gericht jahrelang in einem kleinen Restaurant in El Quisco gegessen hatte, keine Autostunde von den Weinbergen Casablancas entfernt. Zum kräftigen, leicht säuerlichen Sud aus Congrio, Tomaten und Kartoffeln passt ein Chardonnay mit etwas Fassnote besser als ein reiner Stahltankwein.
Locos kommen traditionell mit Mayonnaise auf den Tisch. Diese Meeresschnecke ist erst zäh, dann butterweich gekocht. Die Säure eines Casablanca-Sauvignon-Blanc schneidet genau durch dieses Fett, ähnlich wie ein Spritzer Zitrone es täte, und macht aus einem schweren Gang wieder etwas Leichtes.
Ceviche verlangt nach demselben Prinzip. Roher, weißer Fisch, mit Limette und roter Zwiebel mariniert, trifft auf viel Säure im Glas. Wird dazu Pebre gereicht, die chilenische Salsa aus Koriander, Zwiebel und dem geräucherten Chili Merkén, verträgt der Wein sogar einen deutlichen Schärfegrad, solange seine eigene Frucht nicht zu zurückhaltend ist.
Nicht jedes Gericht der Küste braucht Weißwein. Zu gegrilltem Lachs oder Thunfisch passt der helle Pinot Noir aus Casablanca besser. Sein Tannin stört kaum, und seine Frucht trägt das Fett, statt dagegen anzukämpfen. Wer beides nacheinander probiert, versteht, warum in diesem Tal jeder der drei großen Weine an einer anderen Stelle des Fischmarkts sein Zuhause findet.