Verkosten in der Region Casablanca

Grapefruit im Glas

Verkosten

Halte ein Glas Casablanca-Sauvignon-Blanc gegen das Licht. Die Farbe verrät die Herkunft fast von allein. Sie ist blassgrün bis strohgelb, heller als bei Sauvignon Blanc aus wärmeren Ländern, weil der Nebel der camanchaca den Trauben Zeit lässt, ohne sie in der Sonne zu bräunen.

In der Nase kommt zuerst Grapefruit. Dann Passionsfrucht, und irgendwo dazwischen dieser grüne Ton nach schwarzen Johannisbeerblättern, den Kenner sofort als Sauvignon-Blanc-Signatur erkennen. Schwenke das Glas einmal. Ein mineralischer Hauch kommt dazu, den manche mit nassem Stein vergleichen, auch wenn er eher von der Gärung als vom Boden stammt.

Im Mund trifft als Erstes die Säure. Sie sitzt seitlich an der Zunge und lässt sofort Speichel fließen, ein Zeichen dafür, wie kühl diese Trauben tatsächlich gereift sind. Zucker bleibt praktisch keiner übrig. Der Alkohol liegt meist bei gemäßigten zwölfeinhalb bis dreizehneinhalb Prozent, und genau diese Kombination macht den Wein so erfrischend.

Wer daneben einen Pinot Noir aus Casablanca probiert, schmeckt dasselbe Tal aus einer anderen Richtung. Die Farbe ist hell rubinrot. Der Duft erinnert an rote Kirsche und Granatapfel mit einem Hauch Veilchen, und das Tannin bleibt fein statt kantig. Am Gaumen wirkt er fast zerbrechlich im Vergleich zu einem Pinot aus wärmeren Lagen, und genau diese Zerbrechlichkeit gilt unter Kennern inzwischen als Gütezeichen.

Am Ende zähl mit, wie lange der Geschmack bleibt, nachdem du geschluckt hast. Bei einem guten Sauvignon Blanc aus Casablanca hält sich die Zitrusfrische erstaunlich lange, obwohl der Wein selbst leicht wirkt, ein Widerspruch, den nur ein wirklich kühles Klima hinbekommt.

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