
Asado und Choclo
Wein & Essen
Chilenische Küche und die kräftigen Rotweine des Maipotals sind wie füreinander gemacht. Auf dem Grill, dem asado, landet meist Rindfleisch, oft dick geschnitten und nur mit grobem Salz gewürzt. Dazu braucht es einen Wein mit Tannin und Frucht genug, um gegen das Fett und die Röststoffe zu bestehen. Sonst wirkt er neben dem Fleisch dünn und verloren.
Fett bindet Tannin und macht es weicher. Deshalb passt ein junger, noch kantiger Cabernet Sauvignon neben einem gut durchwachsenen Stück Rind plötzlich rund. Die dunklen Röstaromen vom Grill wiederum finden im Barrique-Ton des Weins ein Echo, Vanille und Rauch treffen aufeinander, statt sich zu widersprechen. Deshalb wird beim Asado fast automatisch zum kräftigsten Rotwein im Haus gegriffen, nicht zum leichtesten.
Anders liegt der Fall beim Pastel de Choclo. Diese Auflaufform aus süßem Maisbrei deckt eine Füllung aus Hackfleisch, Zwiebeln, Oliven und hartgekochtem Ei. Hier wäre ein harter, tanninreicher Cabernet zu viel des Guten. Besser passt ein weicherer Carmenère, dessen dunkle Frucht und milde Süße neben dem süßen Mais nicht kämpfen, sondern mitschwingen. Seine Würze ist schwarzer Pfeffer. Das ergänzt zudem das leicht rauchige Aroma der Oliven.
Auch die empanada de pino, gefüllt mit Hackfleisch, Zwiebeln, Rosinen und einer schwarzen Olive, verlangt keinen zu wuchtigen Wein; ein mittelkräftiger Verschnitt aus Cabernet und Carmenère reicht völlig. Was am Ende zählt, ist immer dasselbe Prinzip: Fett und Röstaromen vertragen viel Tannin, süße und milde Gerichte brauchen mehr Frucht als Gerbstoff. Im Maipotal, wo beide Rebsorten nebeneinander wachsen, muss man dafür nicht einmal die Region wechseln.