
An einem Cabernet
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Nimm ein Glas Cabernet Sauvignon aus dem Maipotal und halte es schräg gegen etwas Helles. Ein junger Wein zeigt sich fast undurchsichtig, dunkles Rotviolett bis zum Rand, dick wie Tinte. Erst nach vielen Jahren im Keller wandert die Farbe am äußersten Rand ins Ziegelrote, während die Mitte oft jahrzehntelang dunkel bleibt.
Riech zweimal, einmal im ruhigen Glas und einmal nach dem Schwenken. Zuerst kommt meist schwarze Johannisbeere, dicht und süß, manchmal mit einem Hauch Tabak. Nach dem Schwenken taucht bei vielen Maipo-Weinen eine kühle, fast kampferartige Note auf: Eukalyptus oder Minze, verursacht durch einen Aromastoff namens Cineol, der von den Eukalyptusbäumen an den Feldrändern in die Trauben wandert. Wer diesen Ton einmal erkannt hat, findet ihn in Maipo-Cabernets immer wieder.
Im Mund achte auf zwei Dinge getrennt. Das Tannin spürst du als trockenen, fast staubigen Belag am Zahnfleisch, kräftig, aber selten grob. Die Säure hält seitlich an der Zunge dagegen, frisch genug, um die dichte Frucht nicht schwer wirken zu lassen. Steckt Carmenère im Verschnitt, kommt oft eine Note schwarzer Pfeffer dazu. Manchmal bleibt ein ganz leiser Rest von grüner Paprika, ein Zeichen, dass die Trauben nicht bis zur letzten Reife gewartet haben.
Am Ende zähl mit. Wie lange bleibt der Geschmack, nachdem du geschluckt hast? Bei einem Cabernet aus Alto Maipo, gewachsen im kargen Kies der Vorberge, sind zwanzig Sekunden und mehr keine Seltenheit. Dunkle Frucht geht dabei langsam in Kräuter und Röstaroma über. Diese Länge kommt aus kleinen, konzentrierten Beeren und aus Reben, die sich tief in den Boden graben mussten, um überhaupt genug Wasser zu finden.