
Trocken und alt
Herstellung
In Maule stehen zwei völlig verschiedene Keller nebeneinander. Unten im bewässerten Talboden füllen große Betriebe ihren Cabernet Sauvignon in klimatisierte Stahltanks, computergesteuert und auf Menge ausgelegt. Oben im Secano Interior sieht die Arbeit ganz anders aus. Dort gibt es keine Bewässerung und oft nicht einmal einen Traktor zwischen den Reihen.
Die alten Carignan- und País-Stöcke wachsen als Buschreben, auf Chilenisch als vaso erzogen, ohne Draht und Pfahl. Diese Form lässt sich mit keiner Erntemaschine ernten. Traktoren fehlen meistens. Also wird von Hand gepflückt, Eimer für Eimer, unter der Sonne des späten März. Wer hier arbeitet, kennt seine Reben einzeln.
Zwölf Weingüter einigten sich um 2010 auf feste Regeln für das, was heute VIGNO heißt. Der Wein braucht mindestens fünfundsechzig Prozent Carignan aus mindestens dreißig Jahre alten, unbewässerten Buschreben, gemischt mit anderen alten Sorten aus derselben trockenen Zone. Vor dem Verkauf müssen mindestens vierundzwanzig Monate in Fass und Flasche vergehen, und eine Verkostungskommission prüft jeden Jahrgang, bevor er das Etikett tragen darf.
Das Erdbeben von 2010 zeigte, wie verletzlich die andere Seite der Produktion sein kann. Ungesicherte Stahltanks platzten unter der Erschütterung wie Blechdosen und ließen Millionen Liter Wein einfach auslaufen. Kleine Erzeuger im Secano Interior, die ohnehin mit alten Fässern statt mit Tanks arbeiteten, verloren dagegen kaum etwas, und im selben Jahr gründeten unabhängige Winzer landesweit die Bewegung MOVI, um genau diese kleinteilige, handwerkliche Arbeit sichtbarer zu machen.
Neues Holz spielt kaum eine Rolle. Zeit zählt hier mehr als Technik. Die meisten VIGNO-Weine reifen in gebrauchten, oft schon jahrzehntealten Fässern, die keinen Vanillegeschmack mehr abgeben, sondern nur noch langsam Sauerstoff durchlassen. So bleibt im Glas, was auf dem Granit gewachsen ist: Frucht, Kräuter und ein trockener, leicht staubiger Abgang.