
Sauerbraten & Wild
Wein & Essen
Die Küche an der Ahr ist deftig, und der Wein dazu ist es auch. Beides ist über Jahrhunderte am selben Tisch gewachsen, nicht danach zusammengestellt worden. Wer im Ahrtal isst, isst meist das, was der Weinberg übrig lässt: Wild, Kartoffeln, Rind.
Rheinischer Sauerbraten, mit Essig und Gewürzen tagelang mariniert und mit Rosinen leicht gesüßt abgeschmeckt, verlangt nach einem Wein, der seine süß-saure Note aufnimmt. Er darf nicht dagegen ankämpfen. Ein Frühburgunder mit seiner hellen, fruchtigen Art passt dorthin oft besser als der kräftigere Spätburgunder. Dessen Tannin kann an der Süße des Bratens hart wirken.
Zum Döppekooche, dem deftigen Kartoffelkuchen aus geriebenen rohen Kartoffeln, Ei und Zwiebeln, passt ein einfacher, unkomplizierter Ortswein. Der Kartoffelgeschmack braucht keine Konkurrenz, nur einen Partner. Anders ist es bei Reh oder Wildschwein aus den Wäldern der Eifel. Hier darf es ein kräftiger, im Barrique gereifter Spätburgunder aus einer Großen Lage sein, dessen Tannin dem Wildgeschmack standhält.
Auch eine deftige Hausmacher-Bratwurst vom Winzerfest verlangt nicht viel: Ein einfacher, junger Spätburgunder aus Dernau oder Rech reicht völlig, solange er kühl genug serviert wird. Zu würzigem Käse gilt dieselbe Regel wie überall: Salz macht Tannin weicher. Ein junger, noch kantiger Spätburgunder wirkt neben reifem Hartkäse plötzlich runder und zugänglicher, fast als wäre er ein anderer Wein.
Wer sich einen einzigen Satz merken will, nimmt diesen: An der Ahr isst man deftig, weil der Wein die Säure und das Tannin mitbringt, die Fett und Süße brauchen, um nicht müde zu schmecken. Das war schon so, lange bevor jemand das Wort Food-Pairing erfand.