
An einem Spätburgunder
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Halte ein Glas Ahrtaler Spätburgunder schräg gegen etwas Weißes. Die Farbe ist hell für einen Rotwein, oft eher rubin als granatrot, am Rand fast durchscheinend. Das ist keine Schwäche, sondern die Natur dieser Traube auf diesem Gestein.
Riech zuerst ins ruhige Glas, dann nach dem Schwenken, denn beides zeigt Verschiedenes. Zunächst kommt meist Frucht: Sauerkirsche, manchmal Walderdbeere, bei jungen Weinen auch Johannisbeere. Nach dem Schwenken folgt, was schwerer flüchtet — ein Hauch von Kakao aus dem Barrique, gelegentlich etwas Erdiges. Viele beschreiben das als Schiefernote, obwohl die Wurzel selbst keine Mineralien einfach ins Glas weiterreicht, denn was da ankommt, ist nur ein Umweg über Wärme und Wasserhaushalt des Bodens, kein direkter Transport aus dem Gestein in die Traube.
Im Mund achte auf die Säure zuerst. Sie sitzt seitlich an der Zunge, treibt den Speichelfluss an und macht den Wein spannend statt satt — ein Erbe der kühlen Nächte, die der Traube ihre Frische lassen. Das Tannin dagegen spürst du als feinen, fast samtigen Belag am Zahnfleisch. Es wirkt selten hart oder grob, weil die dünne Schale der Beere gar nicht genug davon liefert, um kantig zu werden.
Stell einen Frühburgunder daneben. Der Unterschied fällt sofort auf. Er ist heller, duftiger, fast schon an Himbeere erinnernd, mit weniger Tannin und mehr Trinkfluss. Das ist ein Wein für den ersten Schluck an einem warmen Abend im Ahrtal, während der kräftigere Spätburgunder eher zum Essen gehört.
Am Ende zähl, wie lange der Geschmack bleibt, nachdem du geschluckt hast. Bei einem einfachen Ortswein sind es vielleicht fünf Sekunden. Bei einem Spätburgunder aus einer VDP.Großen Lage können es zwanzig oder mehr werden. Diese Länge lässt sich im Keller kaum schönen — sie kommt aus der Steillage und aus nichts sonst.