
Wärmste Ecke Deutschlands
Klima
Baden ist das einzige deutsche Anbaugebiet, das rechtlich als warm gilt. Die Europäische Union teilt den Weinbau in Klimazonen. Alle anderen deutschen Gebiete gehören zur kühleren Zone A, nur Baden zählt zur wärmeren Zone B wie das Elsass. Die Regel dahinter ist nüchtern: In Zone A darf der Most um bis zu drei Volumenprozent Alkohol angereichert werden, in Zone B nur um zwei. Badische Winzer haben also weniger Spielraum, ihren Wein im Keller nachträglich stärker zu machen, weil ihre Trauben ihn im Weinberg schon mitbringen.
Am deutlichsten zeigt sich das am Kaiserstuhl. Über siebzehnhundert Sonnenstunden im Jahr machen ihn zur sonnenreichsten Ecke Deutschlands. Die Gemeinde Ihringen am Fuß des Vulkanhügels gilt, inoffiziell, als wärmster Ort im ganzen Land, auch wenn der Deutsche Wetterdienst das nicht offiziell bestätigt. Die Vogesen im Westen fangen einen Großteil des Regens ab, bevor er den Oberrhein erreicht. Was übrig bleibt, kommt oft als trockener, warmer Fallwind an.
Trotzdem ist es kein sanftes Klima. Zwischen dem kältesten und dem wärmsten Monat liegen am Kaiserstuhl im Schnitt gut achtzehn Grad Unterschied. Auch der einzelne Tag schwankt stark, weil steinige, dunkle Böden die Hitze tagsüber speichern und in der Nacht wieder abgeben, sodass die Reben nie ganz zur Ruhe kommen. Für Spätburgunder ist das ein Glücksfall: Die Reife kommt tagsüber voran, und die Säure schmilzt nachts nicht einfach weg.
Vierhundert Kilometer weiter nördlich, in Tauberfranken, sieht die Rechnung anders aus. Dort ist das Klima spürbar kontinentaler, mit kälteren Wintern und einer kürzeren Reifezeit. Das ist nur eine von vielen Erinnerungen daran, dass Baden kein einzelnes Klima hat, sondern eine lange Kette davon, vom Bodensee bis zum Taubertal.