
Vulkan unter Löss
Böden
Grab am Kaiserstuhl ein Loch, und du gräbst durch zwei ganz verschiedene Erdzeitalter. Oben liegt Löss, ein helles, feinkörniges Gestein aus Staub. Eiszeitliche Stürme wehten ihn aus dem trockenen Rheinbett und lagerten ihn über Jahrtausende an den Hängen ab. An manchen Stellen des Kaiserstuhls ist diese Lössdecke bis zu dreißig Meter mächtig, eine der dicksten in ganz Mitteleuropa.
Darunter beginnt Vulkangestein. Vor gut fünfzehn bis achtzehn Millionen Jahren brach hier, im Tertiär, eine Kette von Vulkanen aus dem Oberrheingraben auf, mit dem heutigen Totenkopf als höchstem Punkt auf 557 Metern. Was heute als sanfter Hügel im Rheintal liegt, war einmal ein Feuerberg. Sein Kegel ist längst der Erosion zum Opfer gefallen. Übrig geblieben sind die harten Gesteine aus seinem Inneren, mit Namen, die es sonst kaum irgendwo auf der Welt gibt: Tuffstein, Limburgit am Limberg, Karbonatit bei Schelingen.
Die beiden Schichten arbeiten unterschiedlich. Löss ist locker und warm, er lässt Wasser schnell durch und erwärmt sich im Frühjahr rasch, gut für den Austrieb. Das Vulkangestein darunter ist viel dichter, speichert Wärme über den Tag und gibt sie nachts wieder ab. Eine Rebwurzel, die durch den Löss in den Fels vordringt, wechselt buchstäblich das Klima, dem sie ausgesetzt ist.
Weil der Kaiserstuhl an vielen Stellen zu steil für Maschinen ist, bauten Generationen von Winzern Trockenmauern und Terrassen aus genau diesem Vulkangestein. Die Steine speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts an die Reben weiter. Am Kaiserstuhl und am benachbarten Tuniberg findet hier auch eine Smaragdeidechse eine ihrer letzten Rückzugsflächen in Deutschland. Boden, Klima und Landschaft hängen hier so eng zusammen, dass man sie kaum getrennt erklären kann.
Feiner, heller Windstaub aus der letzten Eiszeit, kalkhaltig und locker. An den dicksten Stellen des Kaiserstuhls bis zu dreißig Meter mächtig.
Die Wurzel: Hier findet die Rebe reichlich, aber schnell durchlässiges Wasser. Die Feinwurzeln erschließen den Löss zuerst, weil er wenig Widerstand bietet.