
Buntsandstein und Löss
Böden
Grab am Heppenheimer Steinkopf ein Loch, und du triffst nach wenigen Zentimetern auf Rot. Nicht auf Kalk, nicht auf Schiefer wie in vielen anderen deutschen Lagen, sondern auf verwitterten Buntsandstein. Dieses rostrote, weiche Sandgestein erklärt schon von Weitem die Farbe der Steilhänge über Heppenheim. Der Steinkopf ist keine neue Entdeckung. Schon 1655 wird er unter diesem Namen erwähnt. 1842 beschrieb der Weinforscher Johann Philipp Bronner ihn als die beste Lage Heppenheims.
Der Buntsandstein entstand vor rund zweihundertfünfzig Millionen Jahren, als hier ein Fluss- und Wüstenland lag und Eisenoxid den Sand rostrot färbte. Heute bricht das Gestein in lockeren, kantigen Brocken, durchlässig für Wasser und Wurzeln zugleich, und oben, wo Verwitterung und Sauerstoff am stärksten wirken, ist der Ton gelblich-rot und locker. Mit der Tiefe wird er dichter und dunkler, fast blutrot, und hält dort auch in trockenen Sommern noch Feuchtigkeit.
Die Rebe reagiert darauf, wie sie es überall auf magerem Gestein tut: Sie treibt tief. Zwischen den Sandsteinbrocken bleibt kaum Nährstoff, also sucht die Wurzel nach unten, wo Wasser wartet. Die Beeren, die daraus entstehen, bleiben klein. In einer kleinen Beere steckt verhältnismäßig mehr Schale als Saft, und genau darin sitzen Aroma und die feine mineralische Schärfe, die einen Steinkopf-Riesling von einem Riesling aus der Rheinebene unterscheidet.
Nur wenige Kilometer weiter, in der Bensheimer Kalkgasse, sieht der Boden schon wieder anders aus. Flach verwitterter Granit, darüber eine dünne Schicht aus Kalkgestein, die der Lage ihren Namen gab. Im Bereich Umstadt, der Odenwälder Weininsel, liegt sogar Basalt unter dem Löss – vulkanisches Gestein aus einer Zeit, als hier noch die Erde brodelte. Drei Lagen, drei völlig verschiedene Böden, alle innerhalb eines einzigen kleinen Anbaugebiets.
Ein Wort braucht trotzdem eine Einschränkung: mineralisch. Was viele für einen direkt schmeckbaren Mineraliengeschmack aus dem Gestein halten, ist in Wahrheit ein Umweg. Die Wurzel nimmt keine nennenswerten Mengen Eisen oder Quarz auf, die man später im Glas wiedererkennen könnte. Was der Buntsandstein liefert, ist Wärme, die er tagsüber speichert und nachts abgibt, und eine Wasserführung, die genau zur richtigen Zeit knapp wird. Der Rest ist die Arbeit der Rebe selbst.
Dünne Auflage aus Löss und verrottetem Laub, kaum eine Handbreit dick.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die den Regen zuerst abbekommen — und als Erste wieder trocken sind.