Wein & Essen in der Region Hessische Bergstraße

Spargel und Steinkopf

Wein & Essen

Wenn im April die Mandelblüte verblasst, beginnt an der Bergstraße die zweite Saison: Spargel. Weißer und grüner Spargel wachsen hier auf denselben sandigen, warmen Böden, die auch die Reben lieben. Riesling ist seit Generationen der selbstverständliche Begleiter dazu. Seine Säure schneidet durch die Butter oder Sauce hollandaise, mit der der Spargel meist serviert wird, ohne seine zarte, leicht bittere Note zu überdecken.

Das Prinzip dahinter ist einfach: Fett braucht einen Gegenspieler, sonst wirkt ein Gericht schwer und stumpf, und ein Riesling vom Steinkopf, mit seiner kräftigen, fast schneidenden Säure, macht genau das. Er wäscht den Gaumen zwischen zwei Bissen wieder sauber, sodass der nächste genauso frisch schmeckt wie der erste.

Später im Jahr kommen Kirschen und Erdbeeren aus denselben Streuobstwiesen dazu, die im Frühling die Mandelblüte tragen. Zu einem Dessert aus Bergsträßer Kirschen passt kein trockener Riesling mehr. Hier braucht es eine Auslese. Oder, in guten Jahren, den Eiswein aus Heppenheim, dessen konzentrierte Süße über der des Obstes liegen muss, sonst wirkt der Wein neben der Frucht dünn und sauer.

Zu Handkäs mit Musik passt dagegen eher der Rote Riesling. Dieser deftige Sauermilchkäse mit Zwiebeln, Kümmel und Essig-Öl-Marinade fehlt auf keiner hessischen Speisekarte. Seine kräftigere, stoffigere Art hält gegen die Schärfe der Zwiebeln und die herbe Säure des Käses besser stand, als es ein schlanker, leichter Weißwein könnte.

Wer an der Bergstraße isst und trinkt, merkt schnell: Beides kommt von denselben Hängen. Der Spargel wächst im selben milden Klima, in dem der Riesling reift. Die Kirschen blühen an denselben Straßen, an denen im März schon die Mandeln geblüht haben. Das ist kein Zufall und auch kein Marketing. Es ist einfach die Landschaft, die hier auf dem Teller landet wie im Glas.

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