Verkosten in der Region Hessische Bergstraße

An einem Steinkopf

Verkosten

Ein Steinkopf-Riesling verrät sein Alter, sobald man ihn gegen ein weißes Blatt Papier hält. Jung zeigt er ein helles Grüngold, fast wie unreife Stachelbeeren. Mit den Jahren wandert die Farbe über Strohgelb bis zu einem satten Bernstein. Bei einer gereiften Auslese oder einem Eiswein kann daraus sogar ein tiefes Gold werden, fast wie flüssiger Honig.

Riech zweimal hin, einmal im ruhigen Glas und einmal nach dem Schwenken. Im ruhigen Glas kommt zuerst die Frucht: grüner Apfel, Zitrusschale, bei reiferen Jahrgängen auch gelber Pfirsich. Nach dem Schwenken folgt, was schwerer ist und länger braucht, um aufzusteigen. Ein Hauch von Feuerstein oder nassem Stein, den erfahrene Verkoster gern mit dem Buntsandstein in Verbindung bringen. Dieser Duft stammt allerdings eigentlich aus der Gärung selbst, nicht direkt aus dem Boden.

Im Mund achte auf die Säure. Sie sitzt seitlich an der Zunge, läuft dort fast wie ein Draht entlang. Bei einem Bergsträßer Riesling ist sie meist kräftiger als bei vergleichbaren Weinen aus wärmeren Lagen weiter südlich, und genau diese Frische ist der Grund, warum Riesling hier so gut funktioniert, obwohl das Anbaugebiet zu den wärmsten in Deutschland zählt.

Stell daneben einen Roten Riesling, und der Unterschied fällt sofort auf. Trotz seines Namens ist er im Glas goldgelb, nicht rosa. Am Gaumen wirkt er deutlich dichter und stoffiger, mit einer Note, die an reife Birne und einen Hauch Gewürz erinnert. Die Säure stammt von derselben Sorte, wirkt hier aber weicher eingebunden, fast so, als hätte der Wein mehr Substanz, um sie zu tragen.

Am Ende zähl mit: Wie lange bleibt der Geschmack, nachdem du geschluckt hast? Bei einem einfachen Kabinett sind es vielleicht fünf, sechs Sekunden. Bei einem Wein von der VDP.Erste-Lage vom Steinkopf können daraus zwanzig werden, und genau diese Länge unterscheidet am Ende eine gute Lage von einer besonderen.

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