Herstellung in der Region Hessische Bergstraße

Kühl und spät

Herstellung

Riesling von der Bergstraße wird heute fast ausschließlich kühl und langsam im Stahltank vergoren. Das geschieht oft bei zwölf bis vierzehn Grad, über mehrere Wochen. Das Holz, das anderswo Röstaromen und Vanille beisteuert, bleibt hier fast immer außen vor. Riesling lebt von Zitrus, Pfirsich und einer feinen Säure. Barrique-Aroma würde genau das übertönen, was den Wein an der Bergstraße eigentlich ausmacht.

Für die besten Lagen gelten strengere Regeln. Der Heppenheimer Steinkopf trägt die Auszeichnung VDP.Erste Lage, eine Klassifizierung des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter für die besten deutschen Weinberge. Winzer, die diesen Titel führen dürfen, ernten von Hand und begrenzen den Ertrag. Sie lassen die Trauben auch länger am Stock hängen, als es das Gesetz verlangt. Damit die Frucht dabei nicht kippt, braucht es genau das Zusammenspiel aus Wärme am Tag und kühlen Nächten, das die Bergstraße bietet.

Aus dieser langen Reifezeit entstehen auch die höheren Prädikate: Spätlese und Auslese, beide mit späterem Lesetermin und mehr natürlicher Süße. In besonders kalten Wintern kommt Eiswein dazu, bei dem die Trauben gefroren gelesen und gepresst werden, während das Wasser noch als Eis in der Beere sitzt und nur der konzentrierte, süße Saft herausläuft. Die Domäne Bergstraße in Heppenheim, hervorgegangen aus der großherzoglichen Hofdomäne von 1904, gilt als Vorreiter für diesen Stil im Anbaugebiet.

Große Güter sind an der Bergstraße selten. Die meisten Trauben kommen von vielen kleinen Winzerfamilien. Schon 1904 schlossen sich einundzwanzig von ihnen zum Starkenburger Winzerverein zusammen. Daraus wurde die heutige Genossenschaft Bergsträßer Winzer, bis heute das Rückgrat der Region. Ein einzelner Hektar Rebfläche allein könnte kaum eine eigene Kellerei tragen.

Beim Roten Riesling achten Kellermeister besonders auf eine Zeitspanne. Sie beschreibt, wie lange der Saft nach dem Pressen noch mit den roten Beerenhäuten in Kontakt bleibt, bevor er klar abgezogen wird. Zu kurz, und der Wein verliert seine charakteristische Fülle; zu lang, und er wird schwer statt kräftig. Die richtige Balance zu finden, ist bei dieser seltenen Sorte fast schon Erfahrungssache, weil es an der Bergstraße vergleichsweise wenige Jahrgänge gibt, aus denen man lernen kann.

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