Klima in der Region Mittelrhein

Fluss als Ofen

Klima

Im Januar bleibt es am Mittelrhein oft milder als nur wenige Kilometer weiter oben im Hunsrück. Der Fluss liegt tief im engen Tal, geschützt von Hügeln auf beiden Seiten. Die Jahresdurchschnittstemperatur bleibt trotzdem mit rund neun Grad niedrig für deutsche Weinbauverhältnisse. Seit Jahrhunderten reift hier dennoch Riesling, und der Grund liegt weniger in der Wärme selbst als in ihrer klugen Verteilung über Tag und Nacht.

Der Rhein selbst wirkt wie ein riesiger Ofen aus Wasser. Tagsüber speichert er Sonnenwärme, nachts gibt er sie langsam wieder ab, und die Reben in den untersten Steillagen profitieren davon am meisten. Der Schiefer im Boden macht dasselbe im Kleinen: Er erwärmt sich schnell, hält die Wärme und gibt sie an die Wurzeln weiter, wenn die Luft längst abgekühlt ist.

An steilen Hängen fließt kalte Luft schnell ab, statt sich am Boden zu sammeln. Das schützt junge Triebe im Frühjahr vor Frost, einer der größten Gefahren im Weinbau überhaupt. Die Neigung tut noch mehr. Auf dreißig, vierzig Grad Hangneigung trifft die Frühjahrssonne fast senkrecht auf, als stünde man am Äquator. Ebene Flächen bekommen dieselbe Energie erst Wochen später.

Regen fällt am Mittelrhein selten im Übermaß. Rund 570 Millimeter kommen im Jahr zusammen, deutlich weniger als in den meisten deutschen Anbaugebieten, weil die Höhen des Hunsrücks feuchte Luft von Westen abfangen. Was durchkommt, zieht meist als milder Südwind das enge Tal hinauf, ohne dass die Reben unter Staunässe leiden. Für Riesling, der faule Trauben schlecht verträgt, ist genau das ein Glücksfall.

All das zusammen ergibt Trauben mit viel Säure und wenig Zucker, verglichen mit wärmeren deutschen Gebieten. Früher reichte das kaum für einen trockenen Wein, heute aber gilt genau diese Frische als Markenzeichen des Mittelrheins. Wer an der Loreley oder im Bopparder Hamm Riesling anbaut, erntet deshalb oft später als anderswo und nimmt dafür kühlere Nächte im Oktober in Kauf. Die Trauben danken es mit Aromen, die Wärme allein nie erzeugen könnte.

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