
Riesling am Schiefer
Rebsorten
Eine Rebsorte beherrscht den Mittelrhein wie kaum eine zweite Region in Deutschland. Riesling steht auf gut sechzig Prozent der Fläche, meist dort, wo der Hang am steilsten ist und die Sonne am längsten steht. Das war nicht immer so. Andere Sorten kamen und gingen, doch Riesling verlangt genau das, was der Mittelrhein reichlich bietet: lange, kühle Reifezeit und einen Boden, der ihm das Wachstum schwer macht.
Im Glas zeigt sich das sofort. Mittelrhein-Riesling duftet nach Zitrone, grünem Apfel und manchmal nach Grapefruit, dazu eine kühle, fast steinige Note, die Kenner auf den Schiefer zurückführen. Die Säure ist hoch, oft schneidend, und genau das macht diese Weine so haltbar. Ein guter Bopparder Riesling entwickelt erst nach zehn, fünfzehn Jahren die berühmte Petrolnote, die reife Rieslinge weltweit auszeichnet.
Rotwein bleibt hier die Ausnahme, wenn auch eine wachsende. Spätburgunder bedeckt gut zehn Prozent der Rebfläche, vor allem in geschützten Lagen, wo genug Wärme für die dünnschalige Burgunderbeere zusammenkommt. Lange gab es ihn kaum, weil das Klima zu kühl schien. Wärmere Jahrgänge der letzten Jahrzehnte haben das geändert, und heute zählen einige Winzer im Bereich Loreley ihren Spätburgunder zu den besten Rotweinen im Rheintal.
Dahinter folgen zwei weiße Sorten mit deutlich kleinerem Anteil. Weißer Burgunder bringt runde, birnige Weine ohne die schneidende Säure des Rieslings. Das ist eine willkommene Abwechslung für alle, die es milder mögen. Müller-Thurgau, hierzulande oft Rivaner genannt, reift früher und braucht weniger Sonne. Er steht deshalb auf den weniger steilen, kühleren Parzellen, die für Riesling zu unsicher wären.
Im Norden, im vulkanischen Siebengebirge, wächst ebenfalls vor allem Riesling, nur auf ganz anderem Gestein: Trachyt und Tuffstein statt Schiefer. Die Weine schmecken runder, mit weniger von der strengen Mineralik der südlichen Steillagen. Ein Winzer, der beide Weine nebeneinander verkostet, schmeckt sofort, wie stark der Boden hier über die Sorte hinaus mitredet.