
Spundekäs bis Wild
Wein & Essen
Im Herbst öffnen im Rheingau überall Straußwirtschaften: Winzer schenken für ein paar Wochen ihren eigenen Wein und ein paar einfache Gerichte aus, mehr nicht. Das schreibt sogar das Gesetz so vor. Der Klassiker dort ist Spundekäs, ein cremiger Frischkäse mit Zwiebeln und Paprika, gegessen mit Brezel und einem jungen, trockenen Riesling.
Die Kombination funktioniert, weil Säure Fett schneidet. Ein trockener Riesling wäscht die Cremigkeit des Spundekäs von der Zunge, statt sich mit ihr zu vermischen. So macht er Appetit auf den nächsten Bissen. Bei Zwiebelkuchen und jungem Federweißer im Oktober gilt dieselbe Regel, nur süßlicher und schwerer im Glas.
Zu Sauerbraten, dem in Essig eingelegten und langsam geschmorten Rinderbraten, passt ein Riesling mit etwas mehr Gewicht und Süße, ein Kabinett oder feinherber Wein. Die milde Süße fängt die Schärfe der Marinade auf, während die Säure die dunkle Sauce nicht erschlägt. Ein knochentrockenes Erstes Gewächs wirkt daneben oft zu streng.
Anders bei Wild. Zu Reh oder Wildschwein aus den Taunuswäldern gehört der Assmannshausener Spätburgunder auf den Tisch, nicht der Riesling. Sein feines Tannin und der leise Duft nach Sauerkirsche tragen die erdigen, leicht bitteren Noten des Wilds, ohne sie zu überdecken. Kein anderer Rheingauer Rotwein bringt diese Kombination so zuverlässig zusammen.
Zu Fisch aus dem Rhein, früher Lachs und Aal, heute meist Forelle und Zander, reicht ein einfacher, kühler Kabinett völlig aus. Und zum Dessert gehört keiner der genannten Weine, sondern eine Auslese oder Beerenauslese. Das ist das Erbe jenes verspäteten Reiters von 1775, ohne den es im Rheingau bis heute keinen süßen Wein gäbe.