
Norma, Grillo, Passito
Wein & Essen
Die sizilianische Küche mischt ständig Süß und Salzig, Fisch und Fleisch, arabisches Erbe und bäuerliche Einfachheit. Die Weine der Insel sind auf genau diese Mischung eingestellt.
Gebratene Auberginen, Tomatensauce und gesalzener Ricotta ergeben zusammen Pasta alla Norma, benannt nach Bellinis gleichnamiger Oper. Dazu passt ein mittelschwerer Nero d'Avola. Seine dunkle Frucht hält gegen die Süße der Tomate, sein Tannin gegen das Fett der frittierten Aubergine, ohne den Käse zu erschlagen.
An der Westküste, rund um Trapani, isst man Fisch-Couscous mit Safran, Mandeln und Knoblauch, ein Erbe der arabischen Herrschaft über die Insel. Ein leicht im Holzfass gereifter Grillo hat genug Kraft, um gegen die Würze zu bestehen, ohne den Fisch zu übertönen. Zur Caponata, dem süßsauren Auberginengemüse mit Oliven und Kapern, reicht dagegen ein einfacher, zitrusfrischer Grillo völlig aus. Bei Sarde a beccafico, gerollten Sardinen mit Paniermehl, Pinienkernen und Rosinen gefüllt, wirkt derselbe Grillo noch besser, weil seine Zitrusnote den süßlichen Rosinengeschmack ausgleicht.
Geschmorter Schwertfisch mit Tomaten, Kapern und Oliven heißt hier Pesce spada alla ghiotta und verlangt nach einem Weißwein mit Rückgrat. Ein Etna Bianco aus Carricante hält mit seiner straffen Säure und der salzigen Mineralität dagegen. Ein weicherer Wein würde hier schlicht flach schmecken.
Zum Schluss kommt Süßes. Hier gilt dieselbe Regel wie überall: Der Wein muss süßer sein als das Dessert, sonst wirkt er dünn und sauer. Zur Cassata, dem Kuchen aus Ricotta, Marzipan und kandierten Früchten, passt ein Passito di Pantelleria am besten. Beide gehören zusammen. Seine Aromen von Aprikose, Honig und kandierter Orangenschale stammen aus derselben süßen, arabisch geprägten Tradition der Insel wie die Cassata selbst. So schließt sich der Kreis vom Nero d'Avola bis zum Dessertwein.