
Canederli und Wild
Wein & Essen
Die Küche des Trentino kommt aus den Bergen, nicht vom Meer. Der Wein dazu wurde über Jahrhunderte genau dafür geformt. Speck, Butter, Käse und Wild bestimmen den Tisch weit öfter als Fisch oder Öl. Ein Wein mit Säure und Tannin hat hier leichtes Spiel. Ein weicher, fetter Wein dagegen fast keines.
Zu Canederli, den großen Knödeln aus Weißbrot, Speck und Ei, passt ein junger Teroldego besonders gut, weil seine Säure durch die Butter schneidet, in der die Knödel meist schwimmen, und sein Tannin im Speck einen Widerpart findet, der es abrundet. Bei Strangolapreti, den grünen Spinatknödeln mit brauner Butter und Salbei, darf der Wein etwas leichter sein. Hier zeigt Marzemino seine Stärke, mit weniger Tannin und mehr Frucht.
Zu Wild aus den eigenen Wäldern, Reh oder Gams, mit Polenta und Preiselbeeren serviert, gehört die kräftigste Stufe, ein Teroldego Superiore oder eine Riserva mit genug Struktur, um gegen die würzige Sauce zu bestehen. Steinpilze aus denselben Wäldern, gebraten oder in die Polenta gerührt, brauchen weniger Kraft. Sie teilen aber denselben erdigen Grundton, den Teroldego mit seiner wilden Note ohnehin mitbringt.
Aus den Seen des Trentino kommt Fisch, den man selten außerhalb der Region isst: Coregone und Forelle, meist gebraten oder gegrillt. Dazu passt Nosiola aus der Valle dei Laghi, trocken und mit ihrem typischen Hauch von Haselnuss. Sie schlägt jeden importierten Weißwein. Zum Auftakt eines Essens wiederum steht Trentodoc bereit, mit seiner feinen Kohlensäure und den Röstaromen aus der langen Hefelagerung. Das macht schon vor dem ersten Gang Appetit.
Am Ende des Essens kommt der Vino Santo, konzentriert und honigsüß aus getrockneten Nosiola-Trauben. Zu Zelten, dem dichten Früchtebrot mit Nüssen und Feigen, das im Trentino traditionell zu Weihnachten gebacken wird, passt seine Süße wie kaum ein anderer Wein. Ebenso gut steht er neben würzigem Blauschimmelkäse. Dort verstärken sich Salz und Süße gegenseitig, statt sich zu bekämpfen. Wer beides zusammen probiert hat, versteht, warum dieser Wein Monate der Geduld wert ist.