
Lachs, Kirsche, Eiswein
Wein & Essen
Obst kam zuerst. Kirschen, Pfirsiche und Aprikosen reifen im Okanagan Valley auf denselben Terrassen wie die Reben, und das war schon so, bevor hier überhaupt Wein gemacht wurde. Sockeye-Lachs schwimmt jeden Sommer den Okanagansee hinauf, um dort zu laichen, wie es die Syilx seit Jahrhunderten kennen. Das ist kein Zufall.
Gegrillter Sockeye-Lachs, oft nur mit Salz und einem Spritzer Zitrone, ist ein Klassiker der Region und passt zu zwei völlig verschiedenen Weinen. Ein cremiger, im Holzfass gereifter Chardonnay aus der Gegend um Kelowna trägt das Fett des Fisches mit. Ein heller Pinot Noir von der Naramata Bench schneidet stattdessen durch die Fettigkeit und bringt seine eigene Kirschfrucht mit an den Tisch.
Zu frischen Okanagan-Kirschen oder einem Pfirsichsalat passt dagegen kein trockener Wein. Ein halbtrockener Riesling oder ein Ehrenfelser mit etwas Restsüße nimmt die Süße der Frucht auf, statt gegen sie anzukämpfen. Die kräftige Säure beider Sorten hält den Wein trotzdem frisch. Ein ganz trockener Wein würde neben dem süßen Obst plötzlich sauer und dünn wirken.
Ein Name erzählt hier mehr. Neben Nk'Mip Cellars in Osoyoos liegt ein Restaurant, das nach einer Syilx-Erzählung benannt ist: „the Bear, the Fish, the Root and the Berry“, nach den vier Nahrungshäuptlingen Schwarzbär, Chinook-Lachs, Bitterwurzel und Saskatoon-Beere. Auf der Karte stehen Bison-Tatar und wilder Lachs, serviert mit Blick auf den Osoyoos-See und die Rebzeilen von Nk'Mip. Wein und Küche derselben Erzählung, buchstäblich nebeneinander am Hang.
Zum Schluss gehört ein Eiswein an den Tisch, aber nicht zum Fisch. Ein warmer Kirsch- oder Pfirsich-Crumble aus Okanagan-Früchten mit einem Glas gekühltem Eiswein daneben verbindet die beiden Erwerbszweige des Tals ganz ohne Umweg. Obstbau und Weinbau wachsen auf derselben Terrasse und landen am Ende auf demselben Teller.