Rebsorten in der Region Okanagan

Merlot trifft Ehrenfelser

Rebsorten

Ein Winzer im Okanagan Valley antwortet auf die Frage nach der wichtigsten Rebsorte selten so, wie man erwartet: Merlot. Sie steht auf rund 650 Hektar und liegt damit vor Pinot Noir, Pinot Gris und Chardonnay. Eine einzige Antwort greift trotzdem zu kurz, denn das Tal ist dafür zu lang und zu vielförmig.

Ganz im Süden, bei Osoyoos und auf der Golden Mile Bench, reifen Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot zu kräftigen Bordeaux-Verschnitten. So warm ist es dort. Auf der sandigen Black Sage Bench gleich gegenüber wächst dieselbe Rebfamilie, nur mit noch mehr Wärme aus dem hellen Sand darunter. Rund hundertfünfzig Kilometer weiter nördlich, bei Kelowna und in Lake Country, reicht die Wärme dafür oft nicht mehr.

Fährt man weiter nach Norden, zur Naramata Bench, wechselt der Ton komplett. Verwitterter Granit und sandiger Lehm halten die Wurzeln beschäftigt. Kühle Nächte vom nahen Okanagansee bewahren die Säure, und genau diese Kombination bringt Pinot Noir mit heller Frucht und feinem Tannin hervor, statt mit schwerer Marmeladennote.

Eine Sorte gehört fast nirgendwo sonst so sehr zum Alltag wie hier: Ehrenfelser. Gezüchtet wurde sie 1929 in Geisenheim aus Riesling, gekreuzt mit einer Rebe, die man damals für Silvaner hielt. DNA-Analysen zeigten Jahrzehnte später, dass es tatsächlich die elsässische Sorte Knipperlé war. Ehrenfelser reift früher als Riesling. Sie verträgt auch einen kühlen Sommer, weshalb sie im Okanagan Valley eine zweite Heimat fand, die heute größer ist als ihre erste in Deutschland.

Zählt man alle Flächen zusammen, stehen heute rote Sorten auf knapp der Hälfte der Rebfläche, weiße auf etwa einem Drittel. Der Rest verteilt sich auf Nischen wie Gewürztraminer oder Syrah. Noch in den Neunzigerjahren war das Verhältnis umgekehrt. Ein wärmeres Klima und der Ruf der Bordeaux-Verschnitte aus dem Süden haben die Waage in nur zwei Jahrzehnten kippen lassen.

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