
Pandosy bis Eiswein
Region & Geschichte
Lange bevor ein einziger Rebstock hier wuchs, lebte am Okanagansee das Volk der Syilx, und der Name des Tals stammt aus ihrer Sprache. Wein kam erst mit einem französischen Missionar ins Land. Pater Charles Pandosy pflanzte 1859 bei seiner Mission nahe dem heutigen Kelowna die ersten Reben, direkt am Ufer des Mission Creek. Er brauchte sie nicht zum Genuss, sondern für die Messe: Ohne Wein keine Eucharistie.
Für ein Jahrhundert blieb daraus wenig mehr als Kirchenwein und ein bisschen Tafeltraube. Ab den 1930er-Jahren pflanzten Bauern rund um Kelowna vor allem winterharte Hybridreben und Labrusca-Sorten. Sie überstanden frostige Nächte, ergaben im Glas aber kaum mehr als süßen Traubensaft. Kanadischer Wein hatte deshalb jahrzehntelang einen schlechten Ruf, im eigenen Land wie im Ausland.
1988 kippte alles auf einmal. Das Freihandelsabkommen mit den USA öffnete den kanadischen Markt für billigen kalifornischen Wein, gegen den die heimischen Hybridreben keine Chance gehabt hätten. Die Regierung von British Columbia zahlte den Winzern rund 8.100 kanadische Dollar je Acre, wenn sie ihre alten Rebstöcke rodeten und durch Vitis vinifera ersetzten. Vitis vinifera ist jene europäische Rebart, aus der fast jeder bekannte Wein der Welt stammt. Zwei Drittel aller Reben im Okanagan Valley fielen der Rodung zum Opfer, innerhalb weniger Monate nach der Ernte 1988.
1990 gründete das BC Wine Institute die Vintners Quality Alliance, kurz VQA. Das Gütesiegel trägt nur echten Edelreben-Wein und prüft bis heute jede Flasche mit Herkunftsangabe. Vorausgegangen war der Osoyoos Indian Band der Syilx, die schon 1968 als eine der Ersten im Tal reinsortige Vitis vinifera pflanzte. 2002 eröffnete die Band mit Nk'Mip Cellars in Osoyoos das erste indigen geführte Weingut Nordamerikas.
Seit 2015 zerlegt sich das Okanagan Valley amtlich in immer kleinere Herkünfte. Golden Mile Bench machte den Anfang, es folgten Okanagan Falls, Naramata Bench, Skaha Bench und sechs weitere Unterzonen, bis elf davon amtlich anerkannt waren. Das jüngste Kapitel ist bitter. In den Nächten vom 11. bis zum 15. Januar 2024 fiel die Temperatur im ganzen Tal unter minus zwanzig Grad, und die Branche meldete danach einen Ernteausfall von 97 bis 99 Prozent.