
Merinolamm und Kirschen
Wein & Essen
Auf den Hochweiden rund um Cromwell und Queensberry grasen Merinoschafe, deren Fleisch für seinen milden, leicht süßlichen Geschmack bekannt ist, anders als bei kräftigeren Lämmern aus tieferen, feuchteren Weiden. Gegrillt mit nichts als Salz und ein wenig Rosmarin, trifft dieses Lamm auf einen Bannockburn-Pinot-Noir. Dessen Säure durchschneidet das Fett, und sein Tannin rundet sich am Fleisch ab.
Genauso wichtig ist Wild aus den Bergen ringsum, in Neuseeland unter dem Namen Cervena vermarktet. Sein Fleisch ist mager und leicht erdig, oft als Ragout oder kurz gebratenes Steak serviert. Dazu passt ein etwas kräftigerer Pinot Noir aus Bendigo oder Alexandra besser als ein schlanker aus Gibbston. Das Wild wird von mehr Struktur im Glas nicht erschlagen, sondern getragen.
Aus dem Cromwell-Becken stammt außerdem fast die Hälfte aller neuseeländischen Exportkirschen, dazu Aprikosen und Pfirsiche von den alten Bewässerungsgräben der Goldgräber. Isst du eine reife Central-Otago-Kirsche direkt neben einem Schluck Pinot Noir, schmecken beide plötzlich nach demselben, denn der Wein trägt seine eigene Frucht praktisch schon im Glas, bevor die Kirsche vom Teller dazukommt.
Zum Schaumwein von Quartz Reef oder anderen Bendigo-Kellereien passt dagegen Lachs oder Forelle aus einem der klaren Seen. Serviert wird er roh mariniert oder nur kurz angebraten. Die feine Säure und die Kohlensäure aus der Flaschengärung heben das Fett des Fischs auf, ohne ihn zu erschlagen. Dieser Kontrast fehlt in der Region selten auf der Karte.
Nicht jedes Gericht verlangt nach Pinot Noir. Zu einem Nachtisch aus warmen Central-Otago-Aprikosen mit Sahne passt reiner Pinot Noir dagegen kaum. Der trockene Rotwein wirkt plötzlich hart und sauer, egal wie fein er sonst schmeckt. Hier braucht es Süße im Glas. Sie muss mindestens der Süße auf dem Teller entsprechen, sonst verliert der Wein neben dem Dessert jede Balance.