
Karpfen und Mohn
Wein & Essen
Das Kamptal grenzt direkt an den südlichen Rand des Waldviertels, und diese Nachbarschaft schmeckt man am Tisch. Was der Kamp aus dem Wald herunterbringt, landet oft auf demselben Teller wie der Wein, der ein paar Kilometer weiter unten wächst.
Waldviertler Karpfen ist so ein Fall. Die Fische wachsen langsam in kühlen Teichen heran, ihr Fleisch ist mager und fest, ganz anders als bei schnell gemästeten Zuchtfischen. Serviert man ihn gebacken oder blau, schneidet die Säure eines Kamptaler Rieslings genau durch das milde Fett, während bei geräuchertem Karpfen auch ein kräftigerer Ortswein passt, weil Rauch etwas mehr Körper im Glas verträgt.
Der zweite Fixpunkt ist Mohn. Seit dem Mittelalter wächst er im Waldviertel auf großen Feldern. Im Juli blühen sie violett bis weiß, und im Herbst landet er gemahlen in Nudeln, Strudel oder Kuchen. Mohnnudeln mit gerösteten Butterbröseln wirken schwer, wenn kein Wein dagegenhält. Ein dichter Grüner Veltliner aus einer guten Ried schafft genau das. Seine eigene Würze weicht der Süße des Mohns nicht aus, sondern hält mit.
Beim Schweinsbraten mit Kümmelkruste trifft das Pfefferl des Veltliners auf verwandte Würze im Essen. Kümmel und der pfeffrige Ton im Glas verstärken sich gegenseitig. Bei den meisten anderen Weißweinen würden sie sich eher widersprechen. Deftiges Fleisch braucht ohnehin genug Säure, sonst bleibt ein öliges Gefühl im Mund zurück, das kein zweiter Schluck korrigiert.
Im Herbst gehört zum Kamptal noch ein drittes Getränk: der Sturm, das trübe, noch gärende Traubenmost derselben Ernte, die später zum fertigen Wein wird. Dazu isst man Zwiebelkuchen, warm aus dem Ofen, mit Kümmel bestreut. Der Sturm schmeckt süß und prickelt leicht auf der Zunge. Wer zu schnell trinkt, merkt den Alkohol erst, wenn es zu spät ist — eine Lektion, die in jedem Heurigenlokal am Kamp irgendwann fällig wird.