
An einem Veltliner
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Stell dir zwei Gläser nebeneinander hin, einen Grünen Veltliner und einen Riesling, beide vom Heiligenstein. In der Farbe unterscheiden sie sich kaum: helles Strohgelb mit einem Hauch Grün am Rand, fast wie verdünnter Apfelsaft. Das täuscht. Was im Duft passiert, könnte unterschiedlicher kaum sein.
Riech zuerst am Veltliner, ohne zu schwenken. Meist kommt zuerst Zitrus, manchmal ein Hauch grüne Bohne. Schwenke jetzt, und warte auf das, was Winzer das Pfefferl nennen: einen Stich weißer Pfeffer, der direkt hinten in der Nase kitzelt. Nicht jeder riecht ihn gleich deutlich, manche gar nicht — falls dir nichts auffällt, liegt das nicht am Glas.
Beim Riesling verschiebt sich das Bild komplett. Steinobst, Pfirsich vor allem, und darunter ein Ton, den Weinleute mineralisch nennen, obwohl er streng genommen nichts mit dem Gestein selbst zu tun hat. Mit ein paar Jahren Flaschenreife kommt oft eine dritte Note dazu, rauchig, fast nach Feuerstein oder Benzin. Das ist ein völlig normaler Alterungston bei Riesling und kein Fehler, auch wenn er ungewohnt klingt.
Im Mund achte auf die Säure zuerst, denn sie ist bei beiden Weinen das eigentliche Rückgrat. Sie läuft seitlich über die Zunge, lässt Speichel fließen und hält den Wein in Balance, selbst wenn der Alkohol bei zwölfeinhalb oder dreizehn Prozent liegt. Ohne diese Säure würden die kräftigen Aromen schnell plump wirken, mit ihr bleiben sie präzise. Ein Riedenwein vom Heiligenstein trägt diese Spannung oft noch nach zehn, fünfzehn Jahren im Glas.
Am Ende zähl den Abgang. Wie lange bleibt der Geschmack, nachdem du geschluckt hast? Bei einem einfachen Gebietswein sind es vielleicht drei, vier Sekunden. Bei einem Riedenwein aus einer der besten Rieden kann diese Zeit weit über zwanzig Sekunden reichen, und genau daran erkennt man am Ende, wofür Zöbing berühmt geworden ist.