
Kühle trifft Wärme
Klima
Kein anderes österreichisches Weinbaugebiet liegt an einer so schroffen Wetterscheide wie die Wachau. Aus dem Osten drückt pannonisch warme, trockene Luft aus der ungarischen Tiefebene ins Tal. Aus dem Norden fällt kühle, oft feuchte Luft vom Waldviertler Hochplateau die steilen Seitentäler herunter. Beide treffen sich über der schmalen, 33 Kilometer langen Donaustrecke zwischen Melk und Krems. Aus diesem Zusammenprall entsteht ein Klima, das nirgendwo sonst genau so vorkommt.
Besonders in den Wochen vor der Lese macht sich das bemerkbar, wenn tagsüber das enge Tal die pannonische Wärme staut und nachts kühler Fallwind vom Waldviertel die Temperatur drückt. Für die Traube ist dieser Wechsel ein Geschenk. Tagsüber baut sie Zucker und Aroma auf, nachts hält die Kühle die Säure fest, statt sie verdunsten zu lassen. Grüner Veltliner und Riesling verdanken diesem Rhythmus ihre Frische, selbst in heißen Jahrgängen. Das ist kein Zufall.
Der Fluss selbst wirkt wie ein Puffer, dessen breite Wasserfläche im Sommer Wärme speichert und sie im Herbst langsam wieder abgibt, was die schlimmsten Fröste abmildert und die Vegetationszeit verlängert. Die Weinberge reichen dabei bis auf ungefähr 450 Meter Seehöhe hinauf, gut 250 Meter über dem Wasserspiegel. Mit jedem Höhenmeter sinkt die Temperatur ein Stück. Wer oben in den Terrassen steht, erntet deshalb später und leichter im Alkohol als jemand unten am Fluss.
Genau dieses Nebeneinander aus warmen Tagen und kühlen Nächten erlaubt es, im selben Jahrgang drei ganz verschiedene Reifegrade zu ernten. Von der leichten Steinfeder bis zum kraftvollen Smaragd reicht die Spanne, oft aus benachbarten Zeilen desselben Weinbergs. Ohne dieses Wechselspiel gäbe es die Dreiteilung der Wachauer Weine so nicht.