Wein & Essen in der Region Lissabon

Marisco & Queijada

Wein & Essen

Fisch bestimmt die Küche an dieser Küste mehr als jedes Fleisch. Von Ericeira bis Cascais liegen die Boote der Fischer nur wenige Kilometer von den Weinbergen entfernt, und was sie fangen, landet noch am selben Tag auf dem Teller. Der Wein folgt ihr. Kein Wunder, dass die drei alten Weine der Region genau darauf reagieren.

Zu gegrillten Sardinen, im Spätsommer fast überall an dieser Küste auf dem Rost, passt paradoxerweise der härteste Wein im Programm: Ramisco. Anders geht es nicht. Seine Säure schneidet durch das Fett des Fisches, sein Tannin bindet den öligen Nachgeschmack, und die zurückhaltende Frucht drängt sich nicht vor den Rauch vom Grill. Ein weicher, fruchtiger Rotwein würde neben Sardinen einfach untergehen.

Amêijoas à Bulhão Pato, Venusmuscheln in Knoblauch, Koriander und Weißwein gedünstet, verlangen dagegen nach Arinto aus Bucelas. Beide bleiben auf Augenhöhe. Seine Säure spiegelt die Säure der Sauce, statt gegen sie anzukämpfen, und sein zitroniger Kern hebt den Koriander hervor, ohne ihn zu überdecken. Serviert man denselben Muscheln einen fetten, holzbetonten Weißwein, verschwindet die ganze Feinheit des Gerichts.

Zum Dessert liefert Sintra, keine zehn Kilometer von Colares entfernt, zwei Süßspeisen, die ganz auf Ei und Mandel setzen: die kleine Queijada mit ihrer knusprigen Kruste und der Travesseiro, ein Blätterteiggebäck mit Mandelcreme. Süße trifft Süße. Beide verlangen nach einem Wein, der mindestens so süß ist wie sie selbst, sonst wirkt er im Vergleich dünn und sauer. Carcavelos mit seinen Aromen von Mandel und Karamell ist wie für sie gemacht.

Wer diese drei Kombinationen einmal probiert hat, versteht, warum Lissabons alte Weine nie im Labor entstanden sind. Sie wuchsen neben genau diesem Fisch, genau diesen Muscheln und genau diesem Gebäck heran, Küche und Keller derselben schmalen Küste.

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