
Süß trifft Fett
Wein & Essen
Ein süßer Cotnari verlangt nach Gerichten, die selbst Fett oder Kraft mitbringen. Sonst wirkt er schnell erdrückend. Foie gras ist die klassische Antwort darauf: Die Säure der Fetească Albă und Frâncușă schneidet durch die Fettigkeit der Leber, während die Süße die Röstaromen der Zubereitung auffängt. Zusammen ergibt das eine der wenigen Kombinationen, bei denen beide Seiten gewinnen.
Käse mit Edelschimmel funktioniert aus ähnlichem Grund. Die salzige Schärfe eines solchen Käses trifft auf Honig und Aprikose im Glas. Aus dem Kontrast wird kein Widerspruch, sondern ein Gleichgewicht, das viele Rotweine an dieser Stelle nur selten hinbekommen, weil ihnen die nötige Süße fehlt.
Bei Nachspeisen liegt Cotnari ganz besonders nah an Obst. Apfel, Aprikose, Pfirsich, Quitte: Das ist seine eigene Aromenwelt. Eine Quittentarte oder ein Apfelkuchen mit Zimt holen im Wein genau jene Töne hervor, die ihn im Glas ohnehin schon prägen, statt gegen sie anzukämpfen.
Auch Gebäck mit Walnuss, Mandel oder einer cremigen Füllung passt gut. Der Wein selbst schmeckt schon in diese Richtung, ohne dass jemand die Kombination lange erklären müsste. Klassische Karamell- oder Nusstorten funktionieren aus demselben Grund.
Aus der Region selbst kommt ein Gebäck, das eigentlich für genau diesen Wein gemacht scheint. Poale-n brâu, gefüllte Teigtaschen mit süßem Frischkäse und Rosinen, backt man in der Moldau zu Feiertagen. Dazu ein Glas Grasă de Cotnari, gekühlt auf etwa neun Grad, und der Kreis zwischen Weinberg und Küche schließt sich.