Verkosten in der Region Cotnari

Gold, Honig, Säure

Verkosten

Im Glas zeigt der klassische Cotnari eine Farbe, die mit dem Alter wandert. Jung ist er goldgelb. Nach ein paar Jahren wird er dunkler, fast bernsteinfarben, mit einem Hauch Orange am Rand. Wer die Farbe kennt, kann grob schätzen, wie lange die Flasche schon liegt, auch ohne aufs Etikett zu schauen.

In der Nase kommt zuerst Honig. Dann folgen getrocknete Aprikose und eine Spur kandierte Zitrusschale. Darunter liegen Walnuss, Mandel und manchmal ein Hauch Akazienblüte, ein Bukett, das an Trockenbeerenauslesen vom Rhein erinnert und aus demselben Grund entsteht: konzentrierte, edelfaule Beeren.

Wird Grasă de Cotnari trocken ausgebaut, was seltener vorkommt, verschieben sich die Aromen komplett. Apfel, reife Aprikose und Pfirsich stehen dann im Vordergrund, ohne die Süße, die den Wein sonst prägt. Das zeigt, wie viel von dem berühmten Honigton tatsächlich aus der Edelfäule kommt und nicht aus der Rebsorte selbst.

Am Gaumen entscheidet die Säure über Genuss oder Übersättigung. Ein süßer Cotnari mit weit über hundert Gramm Restzucker klingt nach viel. Er schmeckt aber selten klebrig, weil die Säure der Fetească Albă und Frâncușă dagegenhält, ganz ähnlich wie bei einem deutschen Riesling, bei dem Süße ohne Säure schnell plump wirkt. Am besten probiert man in kleinen Schlucken und achtet darauf, ob die Süße oder die Frische am Ende übrig bleibt.

Gut gelagert hält so ein Wein Jahrzehnte. Manche Flaschen aus DOC-CIB-Jahrgängen werden erst nach zehn oder fünfzehn Jahren wirklich rund. Was jung nach reiner Süße schmeckt, verwandelt sich mit der Zeit in Nuss, getrocknete Frucht und einen fast salzigen Unterton, der Lohn für eine Lese, die Geduld über alles stellt.

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