
Gamay trifft Gamaret
Rebsorten
Zwei Rebsorten bestimmen bis heute das Bild des Genfer Weinbergs, auch wenn keine von beiden mehr allein regiert. Gamay und Chasselas zusammen bedecken noch immer rund vierzig Prozent der Rebfläche, jede für sich mit einer eigenen, ziemlich alten Geschichte. Der Rest verteilt sich auf gut zwanzig weitere Sorten, mehr als in fast jedem anderen Schweizer Kanton. Genau darin liegt die Vielfalt.
Gamay reift früh, das war in einem Klima mit unsicheren Herbsten immer sein größter Vorzug. Seine Schale ist dünn, und dünne Schalen faulen schnell, sobald es nach der Ernte zu lange regnet. Genau da setzen Gamaret und Garanoir an, die beiden Kreuzungen aus Gamay und Reichensteiner. Sie tragen dicke Beerenhaut, viel Farbstoff und kräftiges Tannin, und ein Wein aus Gamaret schmeckt fast immer dichter und dunkler als der helle, fruchtige Gamay, aus dem er ursprünglich gezüchtet wurde.
Pinot Noir nimmt inzwischen zwölf Prozent der Fläche ein und gilt als die anspruchsvollste rote Sorte im Kanton. Ihre Trauben hängen in kleinen, dicht gepackten Beeren, deren dünne Haut bei Feuchtigkeit schnell zu faulen beginnt. Deshalb bekommt Pinot Noir in Genf fast immer die besten, am besten belüfteten Hanglagen zugewiesen. Der Aufwand lohnt sich. Was dabei herauskommt, ist ein heller, aromatischer Rotwein mit feinem Tannin, der wenig mit der Masse an Gamay aus dem Talgrund zu tun hat.
Bei den Weißen reicht die Palette längst über Chasselas hinaus. Chardonnay steht auf rund acht Prozent der Fläche und liefert dichtere, oft im Holz ausgebaute Weine. Besonders gut gedeiht daneben Sauvignon Blanc auf den kiesigen Böden des Mandements, vor allem rund um Satigny und Dardagny, wo er seine typische Note nach schwarzer Johannisbeerknospe und Stachelbeere zeigt. Der Unterschied ist deutlich.
Die jüngste Entwicklung kommt aus dem Labor der Forschungsanstalt Agroscope in Changins. 2013 stellte sie mit Divico die erste rote Sorte vor, die hoch widerstandsfähig gegen Falschen und Echten Mehltau ist, weil in ihrem Erbgut Wildreben aus Amerika und Asien stecken. Divona, die weiße Schwestersorte, folgte wenig später. Der Grund ist einfach. Auf dem staatlichen Weingut in Lully wachsen beide inzwischen versuchsweise, mit dem Ziel, in schwierigen, feuchten Jahren mit deutlich weniger Spritzungen auszukommen.