Wein & Essen in der Region Rías Baixas

Pulpo, Percebes, Padrón

Wein & Essen

Kein Gericht steht so sehr für die Region wie Pulpo á feira. Gekochter Oktopus, in Scheiben auf einem Holzteller, nur mit grobem Salz, Olivenöl und süßem oder scharfem Pimentón bestäubt. Fett und Paprikaschärfe verlangen nach einer Säure, die dagegenhält. Genau die liefert Albariño in Hülle und Fülle.

Noch direkter zeigt sich der Zusammenhang bei einer Mariscada, einer Platte mit allem, was die Ría de Arousa hergibt: Percebes, Centollo, Nécoras. Dazu Muscheln von den Bateas, jenen schwimmenden Holzgerüsten, auf denen Galicien mehr als siebzig Prozent seiner Miesmuscheln zieht. Der Albariño dazu schmeckt fast nach demselben Wasser wie die Meeresfrüchte selbst. Kein Zufall: Die Reben stehen oft nur wenige Kilometer von den Bateas entfernt.

Ganz anders, aber ebenso typisch, sind Pimientos de Padrón: kleine grüne Paprika, in Olivenöl gebraten und grob gesalzen, von denen die meisten mild schmecken und nur gelegentlich einer scharf ist, eine Art kulinarisches Glücksspiel aus der Gegend um die Ribeira do Ulla. Ihr Fett und ihre gelegentliche Schärfe brauchen genau die Frische, die ein junger, ungereifter Albariño mitbringt.

Bei der Empanada gallega, der herzhaften Teigtasche mit Thunfisch oder Fleisch, greift dieselbe Regel. Salz macht Säure zugänglicher, und Fett verlangt geradezu nach ihr. Wer einen Albariño zu einer warmen Empanada trinkt, merkt, wie beide Seiten sich gegenseitig runder erscheinen lassen, obwohl der Wein selbst genau derselbe geblieben ist.

Nicht alles verlangt nach diesem Wein. Zu süßem Gebäck wie der Tarta de Santiago, dem Mandelkuchen mit Puderzucker-Kreuz, wirkt ein trockener Albariño plötzlich dünn und sauer. Süße im Essen lässt einen trockenen Wein immer härter erscheinen, als er ist. Die einfachste Regel bleibt trotzdem die verlässlichste: Was an diesem Küstenstrich aus dem Meer kommt, passt fast automatisch. Bei allem anderen lohnt sich ein zweiter Gedanke.

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