Verkosten in der Region Rías Baixas

An einem Albariño

Verkosten

Halte ein Glas Albariño gegen das Licht. Er zeigt sich blassgelb mit einem kühlen, fast grünlichen Schimmer, glänzend und ganz klar. Je jünger der Wein, desto deutlicher dieser grüne Schimmer. Kaum eine spanische Weißweinsorte zeigt ihre Jugend so deutlich in der Farbe wie diese.

In der Nase kommt zuerst Zitrus, Zitronenschale und manchmal Grapefruit, dahinter Steinobst wie Pfirsich und Aprikose. Wer genauer riecht, findet Apfel, gelegentlich eine tropische Spur nach Ananas oder Mango. Darunter liegt, kaum von den Fruchtaromen zu trennen, ein salziger Unterton — als hätte der Wein etwas von der nahen Ría de Arousa mitgenommen.

Im Mund fällt die Säure sofort auf, seitlich an der Zunge, lebendig und geradezu spritzig. Dazu kommt eine saline Note. Kein anderer weißer Wein zeigt sie in dieser Deutlichkeit, und man kann sie mit nichts verwechseln, sobald man sie einmal erkannt hat. Wärme oder viel Alkohol sucht man dagegen vergeblich. Albariño bleibt schlank, selbst wenn er über zwölf Volumenprozent erreicht.

Am Gaumenende bleibt oft ein leicht bitterer Zug, ähnlich der weißen Haut unter einer Grapefruitschale. Das ist kein Fehler, sondern Teil der Sortentypizität. Ein guter Albariño lässt diesen Nachgeschmack lange stehen, mehr als man von einem so leichten, hellen Wein erwarten würde. Genau diese Länge unterscheidet einfache von großen Weinen der Region.

Wer einen Albariño aus dem Val do Salnés neben einen aus dem Condado do Tea stellt, schmeckt denselben Namen von zwei Seiten: an der Küste salziger und schlanker, weiter im Landesinneren am Miño runder und obstbetonter. Schuld daran ist nicht die Rebe. Schuld ist das Wasser: hier der offene Atlantik, dort der Miño, der Süßwasser weit ins Landesinnere trägt.

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