
Semillon & Cabernet
Rebsorten
Fährt man heute durch Franschhoek, wähnt man sich in Cabernet- und Shiraz-Land. Rund tausendzweihundertfünfzig Hektar stehen insgesamt unter Reben, und mehr als die Hälfte davon trägt heute rote Trauben. Cabernet Sauvignon führt mit knapp hundertneunzig Hektar, Shiraz folgt dicht dahinter, dazu kommen Merlot und etwas Cabernet Franc. Wer nur diese Zahlen liest, übersieht das eigentlich Besondere des Tals.
Das ist Semillon. Die Sorte wuchs schon in den ersten Weinbergen der Hugenotten und gilt heute als die eigentliche Spezialität des Tals, auch wenn sie flächenmäßig hinter den roten Sorten zurückliegt. Franschhoek gilt als das inoffizielle Zentrum der alten Semillon-Reben in Südafrika. Im Eikehof-Weinberg stehen seit 1902 Stöcke, die als ältester erfasster Weißwein-Block des Landes gelten. Im nahen La Colline wurde 1936 gepflanzt. Landesweit gelten zehn Weinberge als hundertjährig, vier davon liegen in Franschhoek, drei davon sind Semillon.
Über Generationen hat sich in diesen alten Reben eine genetische Besonderheit eingeschlichen. Zwischen den grünen Beeren wachsen graurosa Beeren derselben Pflanze, eine spontane Mutation namens Semillon Gris. Niemand hat sie gezielt gezüchtet, sie ist einfach über die Jahrzehnte entstanden und wird heute bewusst mitgelesen.
Bei den Weißweinen kommt außerdem viel Chardonnay hinzu, mit knapp hundertzweiundachtzig Hektar die zweitgrößte weiße Sorte nach Sauvignon Blanc, und beide Sorten haben in Franschhoek noch eine zweite Aufgabe. Ein Teil der Trauben wird nicht zu stillem Wein, sondern zu Cap Classique, Südafrikas traditionell in der Flasche vergorenem Schaumwein. Dafür braucht es vor allem Chardonnay und Pinot Noir, dieselben Sorten, die auch in der Champagne stehen. Am Weingut Cabrière, benannt nach dem Hugenotten Pierre Jourdan, wachsen beide seit den Achtzigerjahren gezielt für genau diesen Zweck. Chenin Blanc und Viognier runden das weiße Bild ab, meist als Beimischung, selten als eigenständiger Wein.
Bei den Roten bleibt Shiraz die eigenwilligste Stimme. Er schmeckt in Franschhoek oft würziger und dunkler als in den heißeren Lagen weiter im Landesinneren, mit einer Frucht, die eher an Brombeere als an Kirsche erinnert. Cabernet Sauvignon und Merlot dagegen ergeben klassische Bordeaux-Verschnitte, kräftig, tanninreich, für lange Lagerung gebaut.