
Hugenotten & Oliphantshoek
Region & Geschichte
Im Jahr 1688 legt am Kap ein Schiff mit knapp dreihundert Franzosen an Bord an. Es sind Hugenotten, Protestanten, denen Frankreich nicht mehr sicher genug war, seit König Ludwig der Vierzehnte drei Jahre zuvor das Edikt von Nantes aufgehoben hatte, das ihnen jahrzehntelang Schutz gegeben hatte. Wer nicht katholisch werden wollte, musste das Land verlassen. Die Niederländische Ostindien-Kompanie nahm die Flüchtlinge gern auf, weil viele von ihnen Wissen über Weinbau mitbrachten, das die junge Kapkolonie kaum besaß.
Kapgouverneur Simon van der Stel wies ihnen ein Tal östlich von Stellenbosch zu, das die ersten Siedler wegen der dort weidenden Elefanten Oliphantshoek genannt hatten. Am 18. Oktober 1694 wurden im Tal neun Farmen an Hugenottenfamilien vergeben. Eine davon bekam Pierre Jourdan, der sie nach seinem französischen Heimatort Cabrières benannte, kaum verändert bis heute: Cabrière. Van der Stel mischte die Franzosen bewusst unter die niederländischen Burger. Seine Begründung war offen: Sprache und Sitten annehmen, in der Kolonie aufgehen.
Das war kein Zufall. Innerhalb von zwei Generationen sprach in Oliphantshoek kaum noch jemand Französisch, doch der Name wanderte weiter: erst de France Hoek, dann le Coin Français, am Ende schlicht Franschhoek. Niederländisch heißt das die französische Ecke. 1825 entstand über die Berge im Süden der Franschhoek-Pass, der erste professionell gebaute Gebirgspass des ganzen Landes, mit der ältesten noch genutzten Steinbogenbrücke Südafrikas. Er hält bis heute. Erst danach war das abgeschlossene Tal wirklich an die Außenwelt angeschlossen.
Ein Jahrhundert nach der Landung erinnerte schließlich ein Denkmal an die Gründer. Das Hugenottendenkmal wurde 1945 aus Paarler Granit fertiggestellt und am 18. April 1948 eingeweiht, drei Bögen für die Dreifaltigkeit. Davor steht eine Frauenfigur mit Bibel und zerbrochener Kette. Ein Museum daneben folgte 1957.
Weinrechtlich blieb Franschhoek trotzdem lange im Schatten: Jahrzehntelang war das Tal nur ein Bezirk des viel größeren Paarl. Erst 2010 erkannte das Wine and Spirit Board, die Aufsicht über Südafrikas Herkunftssystem Wine of Origin, Franschhoek als eigenständigen Distrikt an. Drei Jahrhunderte nach der Flucht war aus einem Zufluchtsort eine eigene Adresse geworden.