
Tannat trifft Albariño
Rebsorten
Zwei Sorten tragen Maldonado, und sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Die eine ist Tannat, dunkel, dickschalig und brutal tanninreich, aus dem südfranzösischen Madiran hierher gebracht. Die andere ist Albariño, hell, salzig und duftig, eigentlich eine Sorte aus dem galicischen Rías Baixas in Spanien. Beide fühlen sich an diesem windigen Küstenstreifen erstaunlich zu Hause.
Tannat trägt seinen Ruf zu Recht. Während die meisten Rotweinsorten zwei bis drei Kerne je Beere haben, sitzen in einer Tannat-Traube gleich fünf davon, und mit ihnen ein Übermaß an Gerbstoffen, den sogenannten Tanninen. Eine 2006 im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung von Roger Corder fand bei Tannat aus Madiran die höchsten gemessenen Werte an Procyanidinen unter allen gängigen Rotweintrauben überhaupt. Genau diese Fülle macht Maldonados Tannat so kräftig.
Albariño kam erst mit der Jahrtausendwende dazu. Bodega Garzón begann 2008, die Sorte auf den granitenen Hügeln bei der Bucht von Maldonado zu pflanzen, weil die Gründer eine Ähnlichkeit zur galicischen Atlantikküste sahen. Heute stehen dort rund 35 Hektar, die größte zusammenhängende Albariño-Fläche ganz Amerikas. Der Wind von See gibt den Trauben ihre knackige Säure und eine deutlich salzige Note im Glas.
Um die beiden Stars herum wächst eine kleine, aber wichtige Nebenbesetzung. Cabernet Franc, Petit Verdot und Merlot liefern Struktur für Verschnitte. Der Balasto von Garzón etwa mischt zweiundvierzig Prozent Tannat mit neununddreißig Prozent Cabernet Franc und neunzehn Prozent Petit Verdot. Bei Alto de la Ballena auf der Sierra de la Ballena bildet dagegen ein Weißwein den überraschenden Gegenpart. Fünfzehn Prozent Viognier werden dem Tannat beigemischt, um die Frucht aufzuhellen.
Ganz neu ist Marselan, eine französische Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Grenache, die Viña Edén in Pueblo Edén ausprobiert, neben Chardonnay, Merlot und Pinot Noir. Nichts davon ist in Maldonado alteingesessen. Genau das macht die Region interessant. Wer hier pflanzt, probiert noch aus, welche Sorte zu welchem Hang und welchem Wind wirklich passt.