
Piria und Heuschrecken
Region & Geschichte
Wein hier ist keine Erfindung von gestern, auch wenn er das oft klingt. Der Geschäftsmann Francisco Piria kaufte 1890 an der Küste bei Piriápolis 2.700 Hektar Land, zwischen dem Berg Pan de Azúcar und dem Meer. Er ließ Rebstöcke aus Italien und Frankreich kommen und wollte einen Wein im Stil von Bordeaux, nur mit salziger Meeresluft statt Gironde-Nebel.
1892 stand bereits die Kellerei fertig da. Sie lag direkt gegenüber dem Grundstück, auf dem Piria fünf Jahre später sein Schloss vollendete, einen Turmbau mit Blick über die eigenen Weinberge, der bis heute über Piriápolis wacht. Der Wein verkaufte sich von Anfang an gut. Schon 1896 belieferte er die junge Stadt und ging sogar in den Export.
Dann kam die Katastrophe. Ausgerechnet ein Jahr nach der Schlosseinweihung fiel 1898 eine Heuschreckenplage über die Hänge her und fraß die Reben bis auf den Stock kahl. Piria erholte sich von diesem Schlag nie richtig. Mit ihm starb der erste Weinbau von Maldonado, kaum begonnen.
Über hundert Jahre passierte danach wenig. Rinder weideten, wo einst Reben standen, während Uruguays Weinbau sich anderswo festsetzte, im Landesinneren und im Norden, wo seit den 1870er-Jahren die aus dem französischen Madiran mitgebrachte Sorte Tannat wuchs. Maldonado blieb für ein ganzes Jahrhundert weiß auf der Weinkarte.
Das änderte sich erst im Jahr 2000. Paula Pivel und Álvaro Lorenzo kauften neunzehneinhalb Hektar granitenes Hügelland auf der Sierra de la Ballena und pflanzten die ersten neuen Reben seit Piria. Ihre Bodega Alto de la Ballena war die erste des modernen Maldonado.
Acht Jahre später folgte die große Wette. Der Unternehmer Alejandro Bulgheroni investierte rund 85 Millionen Dollar in Bodega Garzón und bepflanzte bei Garzón weit über zweihundert Hektar. Als das Weingut 2016 eröffnete, wurde daraus rasch eine der meistausgezeichneten Adressen Südamerikas. 2019 kürte Wine Enthusiast Garzón zum New World Winery of the Year. In der Rangliste The World's Best Vineyards belegte es 2019 und 2020 jeweils Platz zwei. Ein Stück landeinwärts, in Pueblo Edén, eröffnete 2009 zusätzlich Viña Edén. Aus einer gescheiterten Kellerei war eine ganze Region geworden.