Region & Geschichte in der Region Tasmanien

Verbot und Aufbruch

Region & Geschichte

Zwischen 1838 und 1992 durfte auf Tasmanien niemand offiziell Whisky brennen. Der Grund war denkbar unspektakulär: Lady Jane Franklin, die Frau des Gouverneurs John Franklin, hielt nichts von Alkohol. Sie drängte ihren Mann, das Brennen auf der Insel zu verbieten. Vorher hatte es hier deutlich mehr Betriebe gegeben. Seit die Sorell Distillery 1822 eröffnete, zählte man mindestens sechzehn legale Brennereien, dazu unzählige illegale.

Ein Gesetz von 1901 hob das Verbot auf dem Papier zwar wieder auf, verlangte aber Brennblasen ab 2.700 Litern Fassungsvermögen. Für jeden, der im kleinen Rahmen Whisky machen wollte, blieb das praktisch unmöglich. Fast ein weiteres Jahrhundert blieb Tasmanien deshalb ohne eigenen Single Malt. Dabei brachte die Insel alles mit, was auch Schottland hat.

Das änderte sich 1989, auf einer Forellenangeltour im tasmanischen Hochland. Bill Lark fragte sich dort, warum eigentlich niemand aus dem klaren Wasser, der lokalen Gerste und den Torfmooren ringsum Malt Whisky brannte. Die Frage ließ ihn nicht mehr los. Er begann, Briefe zu schreiben und Abgeordnete anzurufen, bis das Gesetz eine Ausnahme für kleinere Brennblasen erlaubte.

1992 gründete Lark seine Destillerie und wurde damit die erste voll lizenzierte Brennerei Tasmaniens seit dem Verbot von 1838. Angefangen hat er mit seiner Frau in der eigenen Küche. Ihr Kessel fasste zwanzig Liter. Heute arbeitet Lark mit einer Wash Still von 1.800 Litern und einer Spirit Still von 1.200 Litern, beide noch aus Kupfer.

Andere folgten schnell. Sullivans Cove kam 1994 dazu, in Cambridge bei Hobart. 1997 folgte Hellyers Road in Burnie, gegründet von einer Gruppe Milchbauern. 2005 kam die Old Hobart Distillery hinzu, aus der später die Marke Overeem wurde. Sullivans Cove holte 2014 mit einem French-Oak-Fass den Titel als bester Single Malt der Welt. 2018 und 2019 gewann die Brennerei zusätzlich, als einzige weltweit, zweimal den Preis für das beste Einzelfass der Welt.

Heute zählt Tasmanien weit mehr als zwei Dutzend Brennereien, auf einer Insel, die kleiner ist als Bayern. Für eine Region, die 154 Jahre lang gar nichts brennen durfte, ist das eine steile Kurve.

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