
Fjord, Moor, Westwind
Wasser & Klima
Der Ringkøbing Fjord liegt keine zwei Kilometer von der Brennerei entfernt. Nur ein schmaler Sandwall, die Holmsland Klit, trennt ihn von der offenen Nordsee. Das Wasser für Maische und Verdünnung stammt jedoch nicht aus dem Fjord, sondern aus einem eigenen Brunnen. Der liefert durch den sandigen Boden Westjütlands gefiltertes, mineralarmes Grundwasser.
Die letzte Eiszeit hat diesen sandigen Untergrund hinterlassen. Westjütland war eines der wenigen Gebiete Dänemarks, das nicht unter dem Eis lag, sondern als sogenannte Hedeslette, als weite Heideebene aus Schmelzwassersand, zurückblieb. Kalk und Gestein, die anderswo Wasser hart machen, fehlen hier fast vollständig. Deshalb schmeckt das Brauwasser weich und neutral.
Fast ständig weht der Wind an der jütländischen Westküste von der Nordsee herein, rau und wechselhaft, mit Feuchtigkeit im Gepäck. Die Temperaturen schwanken zwischen Sommer und Winter, bleiben im Vergleich zu Kontinentaleuropa aber gedämpft. Für die Reifung im Fass bedeutet das gleichmäßigere Temperaturen als in trockenen Kontinentalklimaten, aber auch mehr Verdunstung durch die feuchte Meeresluft.
Wer durch die Landschaft um Stauning fährt, sieht wenig Wald und viel offenes Land. Heide, Moor und flache Felder reichen bis zum Horizont. Genau diese Moore lieferten schon vor der Brennerei den Torf, mit dem die Bewohner der Gegend jahrhundertelang heizten. Heute liefern sie den Rohstoff für den gerauchten Whisky aus der Region.
Auch Fary Lochan, mitten im Wald bei Give in Ostjütland, und Braunstein im Hafen von Køge auf Seeland liegen an ähnlich feuchten, meernahen Orten. Kein Ort in Dänemark ist weit vom Wasser entfernt. Dieses Seeklima ist wohl mit ein Grund, warum dänischer Whisky insgesamt gleichmäßiger und milder reift als mancher Whisky aus trockeneren Regionen.