
Quellen, Fels, Föhn
Wasser & Klima
Wer in Neuhaus am Schliersee arbeitet, muss nicht weit nach Wasser suchen. Der See liegt auf über 780 Metern und wird von Bächen gespeist, die durch Nagelfluh sickern. Dieses grobe Konglomeratgestein durchzieht weite Teile der bayerischen Alpen und ihres Vorlands. Das Wasser kommt kühl und mineralarm aus dem Fels, bevor es in Maische und Verdünnung landet.
Im Spessart, wo St. Kilian in Rüdenau am Main brennt, liegt unter dem Waldboden Buntsandstein. Das rote Gestein hält Wasser weich und leicht sauer. Es hat den Spessart seit Jahrhunderten auch zum Holzlieferanten für Weinfässer gemacht. Aus denselben Wäldern werden bis heute Fassdauben für Winzer am Rhein und am Main geschlagen.
Um Eggolsheim und die Fränkische Schweiz, wo Fleischmann seit 1983 brennt, bestimmt Kalk aus dem Weißen Jura das Bild. Die Landschaft ist von Höhlen und Karstquellen durchzogen. Genau dieses Wasser versorgt seit Jahrhunderten auch Frankens dichte Brauereilandschaft.
Klimatisch liegen die bayerischen Brennereien an zwei verschiedenen Enden. Am Schliersee herrscht alpines Klima mit Schnee bis ins Frühjahr und dem warmen Föhnwind, der binnen Stunden für zweistellige Temperatursprünge sorgt. Im Maintal um Rüdenau und in der Fränkischen Schweiz dagegen herrscht das trockenere, kontinentalere Klima Frankens mit heißeren Sommern. Beides prägt am Ende, wie das Wasser schmeckt, bevor überhaupt gebrannt wird.
Beide Regionen eint trotzdem eines: Wassermangel kennt keine von ihnen. Ob Alpenbach oder Karstquelle: Bayern hat genug kühles, sauberes Wasser, um jede Brennerei ganzjährig zu versorgen. Über Trockenheit musste hier noch keine Destillerie klagen.