
Roggen zu Roggen
Whisky & Essen
In Finnland liegt zu fast jeder Mahlzeit ein Stück dunkles Roggenbrot auf dem Tisch, Ruisleipä: dicht, leicht säuerlich, mit langer Tradition. Genau dieses Korn ist es auch, das im Glas landet. Ein Kyrö Malt Rye Whisky aus Isokyrö neben einer Scheibe Ruisleipä zeigt, wie viel Aroma dasselbe Getreide auf zwei unterschiedlichen Wegen abgeben kann: einmal gebacken, einmal gebrannt und drei Jahre gereift.
Zu geräuchertem oder gebeiztem Lachs, Savulohi oder Graavilohi, passt dagegen eher ein milderer Malt. Die Fettigkeit des Fisches verträgt sich gut mit den runden, leicht süßen Fassnoten, wie sie Teerenpeli aus Lahti mitbringt, ohne dass Rauch auf Rauch trifft und den Teller überdeckt. Wer stattdessen einen rauchigen Whisky aus dem Kloster Valamo in Heinävesi wählt, verstärkt die Räuchernote des Fisches bewusst, statt sie auszugleichen.
Poronkäristys, vor allem rund um Rovaniemi in Lappland verbreitet, ist eines der bekanntesten Wintergerichte Finnlands: in Butter geschmortes, dünn geschnittenes Rentierfleisch mit Kartoffelstampf und Preiselbeeren. Es zeigt, wie gut kräftiges Wild zu einem würzigen Roggenwhisky passt. Die pfeffrige Schärfe im Glas trifft auf das leicht süßliche, wildreiche Fleisch. Die Preiselbeeren steuern dazu eine Säure bei, die beides zusammenhält.
Keine dieser Kombinationen ist vorgeschrieben, nur naheliegend. Finnischer Whisky ist jung genug, dass sich seine Küche gerade erst mit ihm anfreundet. Am ehesten verrät ein Blick auf den Tisch, welches Glas dazu passt, und Roggenbrot zu Roggenwhisky ist dabei der einfachste Anfang.