
Pfeffrig, nicht rauchig
Verkosten
Finnischer Whisky schmeckt selten nach Rauch, aber fast immer nach Gewürz. Der Roggen, der die meisten Abfüllungen prägt, bringt eine pfeffrige, leicht scharfe Note mit. Brenner runden sie gern mit braunem Zucker und gerösteter Eiche aus dem Fass ab. Wer zum ersten Mal ein Glas Kyrö Malt Rye Whisky probiert, riecht oft zuerst Nelke oder Kümmel, bevor die Süße vom Fass dazukommt. Schon die Farbe verrät etwas: Von hellem Stroh bis zu warmem Bernstein zeigt sie, wie lange ein Fass in Isokyrö gereift ist.
Teerenpeli Single Malt 5 yo, der erste vollständig finnische Whisky überhaupt, verkostet sich dagegen näher an der schottischen Tradition: milder, mit mehr Malz und weniger Schärfe. Zwischen diesen beiden Stilen, Roggen aus Isokyrö und Malz aus Lahti, lässt sich in Finnland fast das ganze Land verkosten, ohne die Grenze zu verlassen.
Seit 2024 gibt es mit der Sauna-Stories-Reihe von Kyrö einen dritten Weg. Die Flaschen sind benannt nach dem Ort, an dem die Brennerei ihre Gründungsidee hatte, der Sauna selbst. Wer sie nebeneinander probiert, merkt schnell, wie unterschiedlich ein Land klingen kann, das erst seit gut zwei Jahrzehnten eigenen Whisky füllt.
Am besten schmeckt man den Unterschied pur oder mit ein paar Tropfen stillem Wasser, nie eisgekühlt. Kälte im Glas unterdrückt genau die Gewürznoten, die den finnischen Roggenwhisky ausmachen. Ein kleiner, bauchiger Nosing-Kelch hilft dabei mehr als ein breites Tumbler-Glas. Wer Zeit hat, lässt das Glas ein paar Minuten stehen, bevor der erste Schluck kommt, so öffnet sich der Roggen erst richtig.