
Atlantik und Granit
Wasser & Klima
Direkt neben der Brennerei Warenghem in Lannion liegt die Rest-Avel-Quelle. Ihr Wasser tritt durch rosafarbenen Granit an die Oberfläche. Es ist dieselbe Gesteinsart, die der Küste um Lannion ihren Namen gibt: Côte de Granit Rose.
Granit gibt kaum Kalk ins Wasser ab, anders als der Kalkstein, durch den vielerorts schottisches Brauwasser sickert. Das Ergebnis ist weiches Wasser. Es reagiert beim Maischen wenig mit den Enzymen im Malz und lässt der Gärung freien Lauf.
Über der Erde bestimmt der Atlantik das Klima. Mild im Winter, selten heiß im Sommer, fast immer feucht, mit Wind und Regen von See. Für die Lagerhäuser bedeutet das ständig wechselnde Luftfeuchtigkeit, anders als im trockeneren Kontinentalklima im Landesinneren Frankreichs.
Diese Feuchtigkeit beschleunigt die Reifung im Fass gegenüber einem trockeneren Lager. Der Whisky verliert schneller Alkohol als Wasser an die Luft und wird dadurch milder und runder. Außerdem nimmt er schneller Farbe an, von hellem Gelb bis zu dunklem Mahagoni.
Nahe der Küste kommt ein weiterer Faktor dazu: feuchte, salzige Meeresluft dringt in die Lagerhäuser. Ein festes Maß dafür, wie stark das den Whisky prägt, gibt es in der Bretagne nicht. Auf Islay dagegen werden Küstenlage und Salzigkeit oft ausdrücklich beworben. Die bretonischen Brennereien lassen die Fässer eher für sich sprechen.
Wer die Region bereist, spürt das Klima oft sofort: Selbst an eigentlich sonnigen Tagen liegt häufig ein feiner Sprühregen in der Luft, den man in der Bretagne crachin nennt. Genau dieses Mikroklima begleitet die Fässer durch ihre gesamte Reifezeit.