
Getreide und Steuer
Getreide
Ein britisches Steuergesetz aus dem Jahr 1785 schuf, ganz ungewollt, den typischsten Whiskey Irlands. Gemälzte Gerste wurde höher besteuert als ungemälzte, und die Dubliner Brenner reagierten pragmatisch: Sie mischten einen Teil rohe, „grüne“ Gerste unter ihr Malz. Aus der Steuerumgehung wurde ein eigener Stil mit Charakter.
Heute regelt das die Technical File von 2014 ganz genau: Single Pot Still Whiskey braucht mindestens 30 Prozent gemälzte und mindestens 30 Prozent ungemälzte Gerste. Bis zu 5 Prozent dürfen andere Getreidesorten sein, etwa Hafer, Weizen oder Roggen. Geraucht wird das Malz dabei nicht, die Regel schreibt ungeräuchertes Malz vor.
Die rohe Gerste bringt Öl und Eiweiß mit in die Maische. Die gemälzte liefert die Enzyme, die alles in Zucker verwandeln. Das Ergebnis schmeckt spürbar anders als reiner Malt: würziger, manchmal fast pfeffrig. Dazu kommt eine ölige, cremige Textur, die im Mund lange bleibt.
Teeling in der Newmarket setzt bei seinem Single Pot Still auf je 50 Prozent gemälzte und ungemälzte Gerste. Der Brand reift dreifach gebrannt in einer Mischung aus amerikanischer Jungfern-Eiche, Bourbon- und Sherryfässern. Auch Kilbeggan im Landesinneren führt die Sorte bis heute im Programm, mit der alten Brennblase als Bindeglied zur Handwerkstradition.
Daneben gibt es reinen Grain Whiskey aus Mais, leichter und milder im Ton. Er landet vor allem in Blends wie Tullamore D.E.W. Diese Mischung aus Pot Still, Malt und Grain ist eine Dubliner Erfindung, die bis heute die meisten irischen Blends prägt. Reine Grain-Abfüllungen ohne Beimischung bleiben dagegen selten.