
Kanal statt Küste
Wasser & Klima
Durch die Liberties fließen zwei Flüsse, die man von der Straße aus kaum noch sieht. Es sind der Poddle und der Camac, beide auf weiten Strecken längst unter den Häusern verrohrt. Jahrhundertelang trieben sie Mühlen an und lieferten das Wasser, das Brauereien wie Guinness und die Brennereien der Umgebung brauchten.
Das Wasser selbst kommt größtenteils aus den Wicklow Mountains südlich der Stadt. Dort filtern Granit und Moor den Regen, bevor er über Bäche und Aufbereitung in die Stadt gelangt. Weich und mineralarm eignet es sich gut für die Maische, ohne dem Whiskey einen eigenen Geschmack aufzudrängen. Diese Reinheit war schon den Brennern des 19. Jahrhunderts wichtig.
Im Landesinneren zählte weniger das Wasser selbst als der Kanal, der es umgab. Der Grand Canal verband Dublin über die Brosna-Route mit dem Shannon und machte Tullamore zu einem Umschlagplatz. Getreide kam herein, fertiger Whiskey ging hinaus, und die Brennerei am Kanalufer wuchs mit dem Handel.
Kilbeggan liegt direkt am Fluss Brosna in der Grafschaft Westmeath. Der Fluss versorgte die Brennerei seit 1757 mit Kühlwasser und einst auch mit Wasserkraft. Cooley wiederum, an der Küste der gleichnamigen Halbinsel in der Grafschaft Louth, reift seinen Whiskey in salziger, feuchter Seeluft.
Irlands Klima ist mild und feucht, mit kleineren Temperaturschwankungen als etwa in Kentucky oder Japan. Das Fass atmet dadurch ruhiger: Der Whiskey nimmt Fasscharakter langsamer auf, dafür aber gleichmäßiger. Das geschieht über Jahre, die selten von Frost oder großer Hitze unterbrochen werden.