
Lamm und Meer
Whisky & Essen
Hokkaidos bekanntestes Gericht heißt Jingisukan, dünn geschnittenes Lamm oder Hammel auf einem gewölbten Metallgrill. Sojasauce und Fett laufen dabei am Rand in Sprossen und Zwiebeln. Erfunden wurde es, um den Menschen auf Hokkaido überhaupt erst Lust auf Schaffleisch zu machen. Heute isst man es in Sapporos Ausgehviertel Susukino an fast jeder Ecke.
Zu diesem fettigen, leicht süßen Fleisch passt ein rauchiger Yoichi besser als ein milder Whisky. Der Torfrauch schneidet durch das Fett, die salzige Note trifft sich mit der Sojasauce. Die dunkle Süße im Whisky hält dabei gegen die Süße der Marinade mit.
Nicht weit davon, ebenfalls in Sapporo entstanden, dampft die Miso-Ramen: Schweineknochen- und Hühnerbrühe, lange gekocht, mit Misopaste abgeschmeckt. Butter und Mais gehören als typisch nordjapanische Einlage dazu. Dazu passt eher ein Schluck Wasser als Whisky, danach, zum Abschluss, holt ein milderer Dram das Fett von der Zunge.
Akkeshi, die Destillerie, liegt in einer Stadt, die in Japan vor allem für eine Sache berühmt ist: Austern. Frisch aus der Akkeshi-Bucht, roh oder kurz gegrillt, mit nur einem Spritzer Zitrone, treffen sie auf ein Glas Whisky. Der kommt aus genau demselben Moor und derselben Meeresluft.
Das ist kein Zufall, sondern Absicht: Rauch und Salz im Glas, Jod und Süße auf der Auster. Beides stammt aus derselben kalten Küste. Wer beides zusammen probiert, schmeckt eigentlich nur eine Landschaft, einmal flüssig, einmal auf der Schale serviert.