
Rauch und Salz
Verkosten
Am Glas fällt bei Yoichi zuerst der Rauch auf, dahinter etwas Salziges, fast wie Algen am Ufer. Das kommt nicht von ungefähr. Kalte Meeresluft streicht das ganze Jahr über die Lagerhäuser und drückt sich mit in den Whisky hinein.
Typisch für Yoichi ist ein kräftiger, öliger Charakter, Torfrauch, der sich mit dunkler Frucht und einem Hauch Leder mischt. Oft bleibt eine robuste Süße im Abgang zurück. Die reguläre Abfüllung „Yoichi Single Malt" zeigt das in gemäßigter Form. „Yoichi Peaty & Salty" aus Nikkas Discovery-Reihe geht bewusst weiter in Richtung Rauch und Salzigkeit.
Akkeshi schmeckt jünger und schärfer konturiert, was bei einer Destillerie, die erst seit 2020 abfüllt, kaum überrascht. Rauch steht auch hier im Vordergrund. Dazu kommen mehr Zitrus und eine mineralische Note, die an die Austern erinnert, für die der Ort bekannt ist.
Am besten probiert man beide pur bei Zimmertemperatur, im schmalen Nosing-Glas, das die Aromen zur Nase hin bündelt. Ein paar Tropfen Wasser dazu öffnen den Rauch oft weiter. Wer es lieber mit Eis mag, verliert genau diese feineren Töne.
Zwischen den beiden liegt trotz gleicher Insel ein deutlicher Abstand. Yoichi wirkt wie ein alter, wettergegerbter Fischer. Akkeshi wirkt wie sein jüngerer Nachbar, der dieselbe Küste erst seit Kurzem kennt, sie aber genauso ernst nimmt.
Noch gibt es auf Hokkaido keine eigene Verkostungstradition wie auf Islay. Die Szene ist dafür zu jung, sie bildet sich gerade erst heraus.