
Kohle und Kälte
Region & Geschichte
Masataka Taketsuru wollte keine Kopie schottischen Whiskys brennen, sondern einen Ort finden, der Schottland tatsächlich glich. Er hatte in Glasgow Chemie studiert und in mehreren Destillerien mitgearbeitet, darunter Longmorn mit seinen kohlebefeuerten Brennblasen. Zurück in Japan suchte er lange nach einer Landschaft mit ähnlichem Klima, kühl, feucht, nah am Meer.
1934 fand er sie in Yoichi, am Fuß der Shakotan-Halbinsel. Berge umschließen den Ort auf drei Seiten, nur zum Japanischen Meer hin ist er offen. Dort gründete er die Firma Dai Nippon Kaju, aus der später Nikka wurde. Der Whisky brauchte Jahre zum Reifen. In dieser Zeit verkaufte die junge Firma zuerst Apfelsaft und andere Fruchtprodukte, um die Wartezeit zu überstehen.
Ein eigenes Gesetz für „japanischen Whisky" gab es damals nicht. Das Steuerrecht regelte, wie Whisky besteuert wurde, nicht was hineingehörte. Jahrzehntelang durften Hersteller Whisky aus Schottland oder Kanada zumischen. Die Flasche durfte trotzdem als japanisch gelten, solange ein Rest einheimischer Spirituose enthalten war.
Das änderte sich erst 2021. Der Branchenverband JSLMA legte fest, was „Japanischer Whisky" heißen darf. Wasser, Maische, Gärung und Brand müssen aus Japan kommen. Das Destillat reift danach mindestens drei Jahre in Holzfässern bis 700 Liter, ebenfalls in Japan. Abgefüllt wird es dort mit mindestens 40 Prozent Alkohol.
Auf Hokkaido kam 2020 eine zweite Stimme dazu: die Akkeshi-Destillerie an der Pazifikküste. Gebaut hat sie das Handelshaus Kenten Jitsugyo unter Keiichi Toita. Sein Ziel war unverblümt, Islay auf Japanisch nachzubauen, mit einem eigenen Torfmoor unter dem Brennhaus.
Heute wächst die Insel weiter. In Niseko brennt seit 2021 die Niigata-Brauerei Hakkaisan, in Higashikawa destilliert die junge Tankyu-Destillerie mit Quellwasser vom Asahidake. Yoichi und Akkeshi bleiben aber die beiden Namen, an denen sich alle anderen messen.